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Papst Benedikt XVI. hat die Präsentation von Martin Kippenbergers „gekreuzigtem Frosch“ in einer Bozener Ausstellung […] scharf verurteilt.
29.08.2008, S. 35 (Feuilleton)
Zeit: […] Sie bauen für undemokratische Regime. Warum tun Sie das?
Foster: Warum sollte ich das nicht tun? Es eröffnen sich dort ungeahnte Möglichkeiten, es wird radikal gedacht und radikal entschieden. Dort dauern Entscheidungen, für die man bei uns zehn Jahre braucht, höchstens zehn Monate.
Der Architekt Lord Norman Foster im Interview mit der Zeit.
Mitunter kommt es vor, dass ich erst nach Mitternacht nach Hause komme. Wenn ich in solchen Fällen mit dem Auto unterwegs bin, schalte ich immer einige Minuten vor Mitternacht den Deutschlandfunk ein und höre die Nationalhymne, die dort jeden Tag um diese Zeit gespielt wird. Ich stehe dazu: Ich finde die deutsche Hymne sehr schön, gerade dann, wenn sie in einer reinen Instrumentalversion, also ohne Gesang, nur von einem Streicherquartett gespielt wird. Es gibt nichts schöneres, als in der Dunkelheit in gemäßigtem Tempo über eine leere Landstraße zu fahren und dieser ruhigen, eleganten Musik zuzuhören.
Ich erinnere mich noch sehr an eine Wahlkampfveranstaltung vor einigen Jahren, auf der zum Ende aus der Konserve eine entsetzliche Marschmusik-Version gespielt wurde. Das Verhältnis der Deutschen zu ihrem Land ist ja in den meisten Fällen kein unbelastetes, aber wenn es einen deutschen Nationalismus oder Patriotismus geben könnte, der so zurückhaltend angenehm ist wie diese Hymne in der Deutschlandfunk-Variante, dann hätte ich nichts dagegen.
Seit einiger Zeit kommt direkt nach der Haydnschen Hymne die Europahymne, die Ode an die Freude aus Beethovens 9. Sinfonie. Schöne Musik, zweifellos, aber irgendwie wird es, zumindest für mich, nie dasselbe sein wie die deutsche Nationalhymne. Ich bin nicht sonderlich deutschtümelnd-nationalistisch eingestellt, und ich weiß die Vorteile der Europäischen Union durchaus zu schätzen. Aber ich finde schon den Gedanken einer europäischen Hymne anmaßend. Ich glaube, es würde Europa und der EU sehr gut tun, wenn seine Politiker endlich damit aufhören würden, andauernd den Eindruck zu verbreiten, die Einigung Europas sei so etwas wie ein göttlicher Auftrag. Sie ist ein unterstützenswertes politisches Projekt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Wenn man schnell genug vom Deutschlandfunk auf R.SH umschaltet, erwischt man das Schleswig-Holstein-Lied, das dort immer um Mitternacht gespielt wird, als einzige der drei Hymnen mit Text übrigens:
Schleswig-Holstein, meerumschlungen,
deutscher Sitte hohe Wacht,
wahre treu, was schwer errungen,
bis ein schönrer Morgen tagt!
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland
Schleswig-Holstein, stammverwandt,
wanke nicht, mein Vaterland!
Was ich davon denken soll, weiß ich nie so richtig. Der Text ist schon sehr altbacken und irgendwie auch ziemlich arrogant. Wahrscheinlich sollte ich in Zukunft einfach direkt nach dem Deutschlandlied abschalten und die nächtliche Fahrt genießen.
Gestern nachmittag schien hier in Kiel die Sonne. Nachdem wir vom Strand aus Kitzeberg zurückgekommen waren, trafen wir uns mit ein paar Freunden beim legendären Eisparadies im Knooper Weg und setzten uns in den Garten der Ansgarkirche in der Waitzstraße. Dort fanden wir dann (allerdings nach einem ziemlich direkten Hinweis des Aussetzers) ein ausgesetztes Buch.
Der Gedanke dahinter: Man registriert ein Buch unter www.bookcrossing.com und setzt es an einer beliebigen Stelle aus, mit einem deutlichen Hinweis auf die Internetseite und einer Kurzanleitung. Der Finder des Buches soll dann dort den Fund des Buches melden, es lesen und später wieder “freilassen”. Also registrierten wir das Buch heute morgen und lasen, dass Svenja das Buch ausgesetzt hat. Svenja, so verrät das Internet nach einen Blick auf ihre verlinkte Homepage, arbeitet hier in Kiel bei der Kriminalpolizei, interessiert sich für Mode, fährt im Urlaub über schwedische Feldwege Motorrad und hieß früher mal Sven.
Nun gibt es ja eine ganze Reihe von Vorurteilen und Klischees über Transsexuelle – ich gebe zu, nicht frei davon zu sein. Auf jeden Fall aber ist die Geschichte der Entwicklung von Sven zu Svenja, die sie in ihrem Blog Svenja-and-the-City inzwischen schon seit über drei Jahren erzählt, lesenswert und regt zum Nachdenken an.
Das gefundene Buch ist übrigens Daniel Kehlmanns von der Kritik gelobtes Die Vermessung der Welt. Svenja schreibt auf BookCrossing, ihr habe es nicht gefallen. Nach 96 Seiten habe sie es wieder aus der Hand gelegt. Bei mir stand es schon lange auf der Warteliste, also schauen wir mal…
Ein FAZ-Artikel (vom Donaldisten Andreas Platthaus natürlich) hat mich aufmerksam gemacht auf Guy Delisle, einen kanadischen Comickünstler. Delisle arbeitet wie Art Spiegelman (“Maus”) oder die durch die Verfilmung bekannt gewordene Marjane Satrapi (“Persepolis”) im Stil der Graphic Novel, also des ernsthaften Comics. Dabei ist sein Stil aber weniger fein und detailliert, dafür mit mehr Grautönen (was natürlich vortrefflich zur Beschreibung Pjöngjangs passt).
“Pyongyang” erzählt vom Arbeitsaufenthalt Delisles in Nordkorea. Einige Zeichentrickstudios sind offenbar dazu übergegangen, einen Teil ihrer Zeichnungen dort erstellen zu lassen. Das ist nicht ganz problemlos, weil die nordkoreanischen Zeichner nicht immer verstehen, worum es in den zu zeichnenden Filmen geht. Delisle kontrolliert ihre Arbeit und gibt ihnen Rückmeldungen:
Scene 201: Important!
When the father finds out the children are lost, he should not be smiling.
Doch vor allem hat Delisle offenbar Zeit gehabt, sich mit der bekanntermaßen absurden Realität in der nordkoreanischen Diktatur zu beschäftigen. Ins Ausland gereiste Nordkoreaner, die überzeugt sind, dass es in Nordkorea besser zugeht als in Frankreich, die häufig sterile und menschenleere Stadt, die Segregation von Nordkoreanern und westlichen Ausländern, die sich im internationalen Vierteln zu Parties treffen. All das kennt man schon aus anderen Berichten aus Nordkorea, aber doch vermittelt Delisle ein sehr realistisches Gefühl für die Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit des Landes. Auch wird deutlich, wie langweilig und monoton das Leben dort ist – Delisle kommt ohne einen Plot aus und erzählt stattdessen kleine Episoden aus dem Alltag.
Das Buch ist auch auf deutsch (unter dem Titel Pjöngjang) erhältlich.
Man kennt es vom Fahrrad: Die Bowdenzüge für Bremsung und Schaltung reißen ja auch ab und zu mal gerne. Warum sollte das beim Auto anders sein? Vorgestern war es bei meinem Panda soweit. Auf einmal schnellte das Kupplungspedal ohne mein Zutun bis zum Bodenblech zurück und ich konnte keinen Gang mehr einlegen ohne laut hörbare Grüße vom Getriebe. Das Kupplungsseil war offenbar gerissen, wie sich auch recht schnell durch einen Blick unter die Motorhaube feststellen ließ.
Das ganze passierte ziemlich genau zum Geschäftsschluss um 18 Uhr abends, und es war geplant gewesen, um 2 Uhr nachts loszufahren, um zwei Verwandte zum Flughafen Bremen zu bringen (Abflug: 6 Uhr). Am darauffolgenden Tag stand außerdem eine wichtige Fahrt zu meinem Chef aufs Land an – so ziemlich unerreichbar per ÖPNV… Murphy’s Law in Reinkultur? Nicht ganz, denn zum Glück kam der Wagen genau 100 m von der Wohnung meines Bruders zum Stehen, zudem auf einem recht passablen Parkplatz.
Trotzdem, für die Nachtfahrt zum Flughafen musste ein Twingo einer guten Freundin ausgeliehen werden (was zum Glück klappte). Auf der Rückfahrt von Bremen habe ich gleich das Neuteil bestellt (17,60 € – recht ziviler Preis, wie ich finde). Abends wurde es dann eingebaut, was eigentlich recht problemlos war. Zu meinem Chef konnte ich also wieder per Auto fahren…
Günter Grass: Katz und Maus. Eine Novelle, Berlin (West) 1961.
Eigentlich hielt und halte ich nicht viel von Günter Grass. Seine oberlehrerhafte Art und sein Anspruch, für alle im Lande als moralische Instanz dazustehen, stieß mich schon immer ab, lange bevor bekannt wurde, dass Grass selbst auch bei der SS war.
Trotzdem habe ich jetzt ein Buch von ihm gelesen: Katz und Maus, zweiter Teil der Danziger Trilogie. Schon vor einigen Jahren hatte ich eine vergilbte und zerfledderte, aber vollständige rororo-Ausgabe (gedruckt 1963) auf dem Flohmarkt für ein paar Pfennige gekauft. Seitdem stand sie bei mir im Regal und erst jetzt kam ich dazu, Katz und Maus zu lesen.
Ein Grund, warum ich solange gewartet habe, war der Anfang des Buches:
… und einmal, als Mahlke schon schwimmen konnte, lagen wir neben dem Schlagballfeld im Gras. Ich hätte zum Zahnarzt gehen sollen, aber sie ließen mich nicht, weil ich als Tickspieler schwer zu ersetzen war. Mein Zahn lärmte. Eine Katze strich diagonal durch die Wiese und wurde nicht beworfen. Einige kauten oder zupften Halme.
Ein Buch, das mit “… und einmal” anfing, fand ich merkwürdig, und ich war mir vor allem nicht sicher, ob nicht eine Seite in meinem Exemplar verlorengegangen war. Jahrelang nahm ich mir vor, wenn ich mal in einer Buchhandlung wäre, nachzusehen, ob meine Ausgabe vollständig wäre oder nicht. Ich dachte sogar ein- oder zweimal in den letzten Jahren daran, als ich in einer Buchhandlung war, vergaß jedoch dann zu Hause, es mit meinem Buch zu vergleichen.
In der Tat kommt der Anfang mit “… und einmal” an verschiedenen Stellen im Buch vor. Grass geht es offenbar um die Art und Weise, wie wir uns erinnern, und wie man sich 1961 an den Zweiten Weltkrieg erinnerte.
Nun aber habe ich Katz und Maus gelesen, und ich muss sagen: Es ist ein gutes Buch. Vor allem wirkt es auch heute, 47 Jahre nach Erstveröffentlichung (1961), noch überraschend zeitgemäß, überhaupt nicht angestaubt, an vielen Stellen sogar geradezu provokant und frech. Nicht umsonst sollte das Buch damals sogar auf dem Index landen.
Das Buch spielt im Danzig des Zweiten Weltkriegs. Die Jungen verbringen ihre Zeit damit, auf die Ostsee raus zu einem halb versunkenen polnischen Kriegsschiff zu schwimmen und von dort interessante Souvenirs mitzubringen. Überhaupt macht sich das Buch gut als Ferien-Sommer-Lektüre; es vermittelt das Gefühl eines entspannten Sommers am Danziger Ostseestrand.
Der stärkste der Halbstarken wird nur seinem Nachnamen nach vorgestellt und heißt Mahlke. Der Erzähler des Romans beschäftigt sich vor allem mit ihm und was mit zwischen ihm und Mahlke passierte, als der Krieg mehr und mehr Teil ihres Lebens wurde. Über den weiteren Inhalt will ich hier nicht zu viel sagen, um die Spannung nicht zu zerstören, nur soviel: Wie Grass das weitgehend vom Krieg unberührte (oder besser: unberührt scheinende) Alltagsleben in Danzig verwebt mit den grausamen Ereignissen und Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs, fand ich brilliant. Definitiv also eine Leseempfehlung.
Gerade ist der 08.08.08, und es ist 8.08 Uhr morgens. Das erinnert mich an den 08.08.1988. Das war der Tag, an dem ich meinen Zahnarzt kräftig (!) in den Arm biss, weil mir seine Analgesie nicht zusagte. Kurz zuvor hatte ich meine Fahrradfahrkenntnisse etwas maßlos überschätzt und war furchtbar auf die Fr… geflogen. Aus dem Fenster beim Zahnarzt sah man das Standesamt, wo eine Hochzeit nach der anderen stattfand.
Ich glaube, meine Mutter hatte es an jenem Tag nicht leicht mit mir.
Jodeln als Begleitmusik der eidgenössischen Freiheit: Die Schweiz besinnt sich auf die traditionellen Werte und zelebriert ihre Volkskultur
01.08.2008, S. 33 (Feuilleton)