Olympia in Wahrheit

Hatte eigentlich irgendwer wirklich geglaubt, dass sich in China durch die Olympischen Spiele etwas ändern würde? Und war es nicht von Anfang an eine trügerische Hoffnung zu glauben, dass das Internationale Olympische Komittee ein ernsthaftes Interesse daran hat, die chinesischen Gastgeber zu Veränderungen zu drängen?

In Wahrheit hat das IOC doch nur ein ernsthaftes Interesse daran, die Welt an der Nase herumzuführen und glaubhaft zu machen, man habe sich um eine Veränderung in China bemüht.

In Wahrheit geht es dem IOC und den meisten Sportlern doch nur darum, möglichst reibungslose Spiele mit perfekter Organisation veranstalten zu können. Und so etwas geht natürlich in einem autoritären Staat viel besser als in einem demokratischen Rechtsstaat. Sie wollen “unpolitische Spiele” und begreifen überhaupt nicht, dass sie selbst schon immer Teil der Politik waren. “Unpoltische Spiele” kann es überhaupt nicht geben, 2008 in Peking genausowenig wie 1936 in Berlin.

In Wahrheit, so ist mein Eindruck, interessiert es 99 % der Athleten überhaupt nicht, wieviele Millionen Chinesen in Arbeitslagern sitzen und dass viele Chinesen unter der Willkürherrschaft der Parteioligarchie leiden. Sie verstehen überhaupt nicht die politische Aussage, die verbunden ist damit, dass Peking Austragungsort der Spiele geworden ist.

In Wahrheit wollen die allermeisten Athleten einfach nur ihr Ding machen, die entscheidende Hunderstelsekunde schneller sein, den entscheidenden Zentimeter weiter oder höher springen als die Konkurrenz. Verweise auf Tibet oder Menschenrechte sind den meisten lästige Pflichtübungen. Das Schicksal derer, die unter dem Pekinger Regime leiden, interessiert sie überhaupt nicht. Denn wenn es ihnen wirklich am Herzen läge, dann hätten sie am besten zu Hause bleiben können, oder zumindest versuchen können, einen Mittelweg zu gehen wie Imke Duplitzer.

Und, in Wahrheit, ist das doch alles gar nicht neu. Gute Sportler sind eben nicht unbedingt auch gute Demokraten. Das war 1936 so, und es ist heute ganz offensichtlich immer noch so.

veröffentlicht am 14. August 2008 um 20.22 Uhr
in Kategorie: In der Welt

3 Kommentare »

  1. Ich glaube auch nicht, dass sich da entscheidende Dinge ändern, aber finde trotzdem, dass man die Sache differenzierter betrachten sollte - aus zwei Gründen:

    1. Wenn die Spiele und deren Begleiterscheinungen (Kontakt mit Ausländern, Aufmerksamkeit, Selbstbewusstsein etc.) nachhaltige Veränderungen bewirkt haben sollten, dann wird man das erst sehen können, wenn nach dem Erlöschen des olympischen Feuers ein paar Monate ins Land gegangen sind.

    2. Das Gejammer über Kleinigkeiten ist im Moment recht groß - fehlende Zeitungen im deutschen Haus, ein verprügeltes japanisches Fernsehteam, kleinliche Bürokratenschikanen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass sich das offizielle China während der Spiele immerhin keinen ganz großen Griff ins Klo leistet.

    Mal ehrlich: Es gibt in China üblere Dinge als den Umstand, dass man im deutschen Haus die FAZ erst nach zwei bis drei Tagen lesen kann, wenn sie durch das Büro der Zensoren gegangen ist.

    Kommentar von niels — 14. August 2008 @ 20:50

  2. 1. Wenn die Spiele und deren Begleiterscheinungen (Kontakt mit Ausländern, Aufmerksamkeit, Selbstbewusstsein etc.) nachhaltige Veränderungen bewirkt haben sollten, dann wird man das erst sehen können, wenn nach dem Erlöschen des olympischen Feuers ein paar Monate ins Land gegangen sind.

    Das Argument, dass sich in China durch Olympia was ändert, weil sich das Land irgendwie öffnet, habe ich nie verstanden. Schon jetzt haben die Chinesen doch eine relativ große Reisefreiheit, gerade diejenigen, die in Peking leben. Wenn es darum ginge, eine Olympiade in der chinesischen Provinz oder in Nordkorea zu veranstalten, könnte ich dieses Öffnungsargument nachvollziehen, aber bei Peking wirkte es auf mich schon immer sehr bemüht.

    Kommentar von tapastalatukat — 14. August 2008 @ 21:00

  3. Ich finde es sehr interessant und anregend, von welcher Seite du die Olympischen Spiele beleuchtest. Dennoch finde ich den dein Fazit ein bisschen hart, in dem du schreibst:

    > Gute Sportler sind eben nicht unbedingt auch
    > gute Demokraten. Das war 1936 so, und es ist
    > heute ganz offensichtlich immer noch so.

    Gruß aus der Nachbarschaft, Svenja

    Kommentar von Svenja — 21. August 2008 @ 10:21

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