Willkommen bei den Sch'tis (1000 Filme: 4)
Frankreich erstreckt sich vom südlichsten Zipfel der Nordsee bis zum Mittelmeer. Während die Deutschen, wenn sie es im Urlaub warm haben wollen, traditionell nach Italien fahren, fährt der Franzose an die Cote d’Azur und kann somit auch im Urlaub seinem Heimatland treu bleiben. Diese geographische Lage Frankreichs gleichsam in Nord- und Südeuropa schlägt sich auch nieder in einer soziologisch-kulturellen Teilung des Landes. Die Südfranzosen sind arbeitsfaul, trinken Wein und liegen in der Sonne, während die Nordfranzosen den ganzen Tag frieren, Bier trinken und etwas einfach gestrickt sind. So zumindest sind die Vorstellungen der beiden Gruppen von der jeweils anderen.
Die Komödie “Willkommen bei den Sch’tis” beschäftigt sich mit dieser kulturellen Grenze innerhalb der Grande Nation. Ein südfranzösischer Postdirektor wird in die nördlichste Gemeinde Frankreichs, nach Bergues, strafversetzt. Seine Frau gibt ihm eine dicke Daunenjacke und eine Pelzmütze mit, bevor er sich, zunächst ohne Familie, auf den Weg an den Rand der Arktis macht. Sein Sohn hat Angst, dass er seine Zehen durch Erfrierungen verliert.
Auch wenn der Postdirektor in Bergues zunächst einen Mitarbeiter überfährt, wird er doch recht herzlich aufgenommen von der Mannschaft der Postfiliale, deren Chef er jetzt ist. Bald ist der Südländer voll integriert bei den “Scht’tis”, wie die Nordfranzosen wegen ihres Dialekts genannt werden. Dieser Dialekt übrigens ist ganz wunderbar ins Deutsche übersetzt, so dass der Film auch in der synchronisierten Fassung sehr sehenswert und unterhaltsam ist.
Grundgesetzmilch
Mein erster Gedanke beim Öffnen der Milchtüte heute morgen: Grundgesetzmilch. Die Diss. hinterlässt Spuren.
Versucht der Truck nach links zu schwenken…
…da hilft nur eines: Gegenlenken!
So sagte einst Didi, damals in Frankreich. Ein genialer Film, mit lauter tollen Sprüchen. Naja, zumindest fand ich sie vor zwanzig Jahren toll. Zum Beispiel:
Wie viele Achsen hat eigentlich so’n deutscher Laster?
oder
Frankreich ist so groß, besonders hier in der Gegend.
oder auch
Ist hier ein Lkw durchgefahren? Mit einem deutschen Kennzeichen?
– Ein deutscher Lkw? Lassen Sie mich mal überlegen… Aber ja, selbstverständlich! Ein großer Lkw, mit deutschem Nummernschild! Ja, das war genau… im September ’41!
Beim Drugstore in Schmalenstedt
Früher, in Schmalenstedt, gab’s einen Spar-Supermarkt, direkt am Markt. Noch früher hieß er “Drugstore”, das sollte wohl irgendwie cool klingen. Immer freitags vormittags ging ich mit Mutti zu diesem Spar-Markt einkaufen. Während meine Mutter also den Wocheneinkauf erledigte, quengelte ich. Deswegen gab’s an der Fleischtheke immer schon ein Würstchen extra für mich. Ich weiß noch, wie faszinierend-beunruhigend ich es fand, dass ich das Würstchen schon aufessen durfte, während es noch nicht bezahlt war. Ja, über sowas habe ich mir durchaus Gedanken gemacht im Alter von vier, fünf Jahren.
Über der Fleisch-Bedientheke, ich kann mich noch genau erinnern, hing ein großes Papp-Werbe-Mobilé der CMA. Was da genau draufstand, weiß ich nicht mehr, aber es wird irgendwas dämliches in der Richtung sein, wie es sich heute auf der CMA-Website findet:
* Fleisch – hat immer Saison
* Geflügel – sicher ein Genuss
* Die Milch macht`s
Diese Werbesprüche sind eben so sinnvoll, wie sie sein können angesichts der Tatsache, dass die CMA nicht für spezifische Unternehmen, sondern für die deutsche Landwirtschaft insgesamt Werbung macht. Mit dem gleichen Effekt könnte man wohl mit einem Slogan wie “Atmet mehr Luft” werben.
Damals, in den Achtzigerjahren, war mir das natürlich nicht aufgefallen. Die CMA passte in die Zeit, genauso wie die Regelung, dass die Zeit des Winter- und Sommerschlussverkaufs gesetzlich vorgeschrieben war und die Läden um 18.30 Uhr schlossen (samstags um 13.00 Uhr). Das ist seit ein paar Jahren bekanntlich vorbei. Der Schmalenstedter Spar-Markt steht inzwischen schon seit Jahren leer. Nach dem heutigen Urteil des Verfassungsgerichts ist dann wohl auch Schluss mit der CMA.
Jerichow (1000 Filme: 3)
Thomas: ein unehrenhaft aus der Bundeswehr entlassener Soldat, der in Afghanistan war und der jetzt zurückkehrt in seine Heimatstadt, wo er das verfallende Haus seiner Mutter geerbt hat. – Ali: ein türkischstämmiger Unternehmer, Besitzer von 45 Döner-Buden und China-Imbissen, der sich in Deutschland nicht so richtig zu Hause fühlt. – Laura: eine Frau, die sich von dem Dönerunternehmer heiraten ließ, um einen riesigen Schuldenberg aus einer im Dunklen liegenden Vergangenheit loszuwerden.
Diese drei Menschen sind auf der Suche nach Heimat, jeder für sich. Sie leben im Jerichower Land, einem Gebiet irgendwo mitten im ostdeutschen Nirgendwo, das voll ist mit Kiefernwäldern und langen Straßen, die Ali auf den Fahrten zwischen seinen Dönerbuden befahren muss. Als er wegen seines Hangs zum Alkohol seinen Führerschein verliert, stellt er Thomas als Fahrer ein. Schnell läßt sich Laura mit Thomas ein, und die Dinge nehmen ihren Lauf. Am Ende der Geschichte sind alle drei noch heimatloser als zuvor. “Jerichow” ist ein einfach erzählter, ganz unprätentiöser, häufig sogar leiser Film, der seine Geschichte recht unkonventionell und erfrischend langsam erzählt. – Sehenswert!
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