Christian Geyer über Helmut Schmidt: "Ach Kinder, bleibt doch auf dem Teppich"

Man sollte sich als Leser den Gefallen tun, einfach mal nur die Antworten Helmut Schmidts zu lesen, die mit „Nein“ (ersatzweise: „Nee“) beginnen. Man wird dann dreierlei feststellen. Erstens: Helmut Schmidt antwortet recht oft mit „Nein“. Zweitens: Bei jedem „Nein“ Helmut Schmidts geht man als Leser in Habachtstellung. Drittens: Hinter jedem „Nein“ hört man den imaginären Satz: „Ach, Kinder, nun bleibt doch mal auf dem Teppich; so wild ist das doch alles nicht.“ Man kann, mit anderen Worten, dieses lange Helmut-Schmidt-Interview auch als Therapeutikum lesen. Es beruhigt die Nerven wie Yoga oder Ikonenmalen. Es wiegt den Leser in der Gewissheit, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht, dass jede Aufregung im Grunde doch nur künstlich ist. Es handelt sich hier also um einen Ruhig-Blut-Appell in Frage-Antwort-Form.

Christian Geyer in der FAZ (22.04., S. 34) über das jüngst erschienene Interviewbuch “Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“.

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Die alberne Internetzensur-Debatte

Merke: Es schadet der eigenen Glaubwürdigkeit meistens nicht, wenn man auf dem Teppich bleibt.

Merke: Es schadet der eigenen Glaubwürdigkeit meistens nicht, wenn man auf dem Teppich bleibt.

Im Netz tobt derzeit ja eine ziemlich große Empörungswelle über die Pläne der Bundesregierung, den Zugriff auf einige Internetseiten mit illegalem Inhalt - bislang ist vor allem von Kinderpornographie-Seiten die Rede - per Gesetz sperren zu lassen.

Schon kriechen alle möglichen Jünger des digitalen Zeitalters aus ihren Löchern und schreien “ZENSUR!”, sobald sich jemand anschickt, die geltenden Gesetze auch im Internet durchsetzen zu wollen. Ich gebe ja zu, dass es durchaus auch vernünftige Argumente gegen die Regierungspläne geben mag. Bloß habe ich sie bislang in der jetzt geführten Debatte noch nicht gehört.

Die Kritik beschränkt sich im wesentlichen darauf, der Bundesregierung diktatorische und anti-freiheitliche, ja anti-demokratische Züge zu unterstellen. Dabei sollte doch eigentlich auch den Aposteln unbegrenzter Freiheit bekannt sein, dass die eigene Freiheit immer eine Grenze findet - nämlich dort, wo die Freiheit des Nächsten beginnt. Das heißt: Wenn es technisch nicht möglich ist, die Kinderpornographie-Seiten im Ursprungsland stillzulegen, dann ist es durchaus legitim und keinesfalls unfreiheitlich, wenn dies zumindest in Deutschland geschieht.
Ähnlich verhält es sich mit Urheberrechtsverletzungen (dazu gab es ja gerade in Schweden ein Urteil): Was soll so schlimm dagegen sein, wenn ein demokratischer Staat dagegen vorgeht, dass systematisch Urheberrechte mit Füßen getreten werden? Ob das bisherige Urheberrecht antiquiert ist oder nicht, ist eine ganz andere Frage. Solange die bestehenden Regelungen Gesetzeskraft haben, müssen sie auch eingehalten werden. Punkt.

Gänzlich ekelhaft wird es , wenn die Kritiker anfangen, Vergleiche zu ziehen. Ralf Bendrath hat auf netzpolitik.org einen Eintrag verfasst, dessen Argumentation ich schon für ziemlich hanebüchen und übertrieben halte. (Er meint offenbar allen Ernstes, es handele sich bei der derzeitigen Auseinandersetzung um einen “Kampf der Kulturen”, der die Entwicklung der Menschheitsgeschichte nachhaltig prägen wird.) Die Bundesregierung plane, so Bendrath, “eine Great Firewall [aufzubauen] um missliebige Feindsender auszusperren”. Ähnlich krudes Zeug las ich im Filterblog:

Nach dieser Logik [der Bundesregierung] muss im Grunde alles aus dem Netz verschwinden, was in Deutschland zu veröffentlichen nicht zulässig ist. Die Ministerin [von der Leyen] findet nicht, dass das Zensur ist, weil es ja nur um die Durchsetzung von Gesetzen geht - aber nach dieser Logik ist was China macht auch okay, denn auch dort wird ja sorgfältig ausgewählt, was den Bürger erreichen darf.

Vollkommen unkritisch wird die Legitimation einer demokratisch legitimierten Rechtsordnung in Deutschland gleichgesetzt mit der Legitimation einer bekanntermaßen nicht demokratisch zu Stande gekommenen, häufig genug diktatorischen Rechtsordnung in China. Außerdem wird noch unterstellt, die Bundesregierung wolle das Internet zum eigenen Vorteil zensieren (eben gegen “missliebige Feindsender”, was zudem eine ziemlich unmissverständliche Gleichsetzung der Bundesregierung mit dem Hitler-Regime ist).

Ich würde gerne mal wissen, was ein chinesischer Menschenrechtsaktivist zu diesem Kindertheater sagen würde, dass die Deutschen hier aufführen.

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Amsel und Kirsche

19.04.2009, nachmittags

19.04.2009, nachmittags

Mit neuen Balkonpflanzen ist es noch nichts geworden, weil im Busch unmittelbar vor dem Balkon eine Amsel brütet, die wir nicht verschrecken wollen. Dafür fängt der Kirschbaum jetzt an zu blühen.

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DDR-Verharmlosung

Wie weit es mit der Verharmlosung der SED-Diktatur mittlerweile schon gekommen ist, zeigt die Forderung von Heribert Prantl, “Auferstanden aus Ruinen” der deutschen Nationalhymne als 2. Strophe anzuhängen. Vielleicht als 3. Strophe dann noch das Horst-Wessel-Lied?

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April, ausnahmsweise mal ohne Regen

09.04.2009, vormittags

09.04.2009, vormittags

Wird mal langsam Zeit für neue Balkonpflanzen…

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In praise of… Kröhnke & Lau

Kröhnke & Lau

Schon seit Jahren schwöre ich auf italienische Espressokännchen zur Zubereitung meines Kaffees. Preisgünstig, unkompliziert, platzsparend und lecker.

Die einzige regelmäßige Wartungsarbeit an diesen Kännchen ist das Ersetzen der ringförmigen Dichtung, die zwischen Ober- und Unterteil sitzt. Und hier gingen die Probleme los: Weil M. meistens keinen Kaffee möchte, habe ich mir ein Mini-Espressokännchen für eine Tasse von meinen Eltern aus dem Malta-Urlaub mitbringen lassen. Und hierfür gibt es zumindest bei Amazon oder Ebay, den üblichen Verdächtigen also, keine Dichtungen.

Flugs wurden also (im letzten Herbst) Verwandte, die ihren Urlaub südlich der Alpen verbrachten, beauftragt, die passende Dichtung aus Italien selbst zu besorgen. Doch leider besorgten sie die falsche: Nämlich die für die 2-Tassen-Kännchen-Größe. In der Zwischenzeit verwendete ich mein Zweitkännchen, in 3-Tassen-Größe.

Jetzt, fast ein halbes Jahr später, habe ich endlich das Problem gelöst durch einen Besuch bei Kröhnke & Lau, dem legendären Kieler Haushaltswarengeschäft in der Holtenauer Straße, 10 Minuten Fußweg von der Wohnung. Die Verkäuferin wusste sofort, was ich brauchte und griff einmal zielsicher ins Regal. 1,95 €. Das wäre also auch schneller gegangen.

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Gedanken zur Abwrackprämie

Die letzten zwei Wochen haben M. und ich auf Europa-Tournee verbracht: Berlin (Bundestag), Nijmegen (Konzert Paolo Conte), Linz (Familie), Budapest (Familie, Parlament) und schließlich Debrecen (Familie). Alles in allem waren’s ungefähr 4.500 km, davon allein 1.300 km an einem Tag (Heimreise von Budapest nach Kiel).

Und das alles mit einem Panda, der während der Reise seinen 16. Geburtstag gefeiert hat. Da sage noch einer was über angeblich mangelhafte Qualität italienischer Autos. Dabei wäre der Kleine ja geradezu ein Bilderbuch-Kandidat für die staatliche Umwelt- bzw. Abwrackprämie (2.500 € bei Kauf eines Neuwagens). Dumm nur, dass der Verbrauch des Panda bei moderaten  fünf bis sechs Litern auf 100 km liegt, die EURO 2-Abgasnorm erfüllt und somit auch in der Innenstadt deutscher Feinstaubmetropolen bewegt werden darf. Einen Vorteil für die Umwelt würde die Verschrottung also nicht bringen, soviel ist sicher.

Panda an den Gestaden der Donau, südlich von Budapest

Panda an den Gestaden der Donau, südlich von Budapest

Zur Abwrackprämie ist aber auch Positives zu vermelden. Wer in den letzten Wochen mal auf der Autobahn von Linz nach Budapest unterwegs war und den Gegenverkehr beobachtet hat, der kann auf den knapp 500 km problemlos einige 100 Autotransporter zählen, bestückt mit den besten Produkten der ost- und südosteuropäischen Autoindustrie. Neben einigen ungarischen Suzukis sind es hauptsächlich rumänische Dacias, deren Kauf vom deutschen Staat subventioniert wird. Und das ist in der Tat gut - für die Rumänen, die es wirtschaftlich und politisch in den letzten 20 Jahren längst nicht so gut hatten wie ihre sozialistischen Brüder in der Ex-DDR. Es sei ihnen also gegönnt.

Die Deutschen sind in der Tat ein merkwürdiges Volk. Finanziell rechnet sich die Abwrackprämie kaum: Wer nächstes Jahr - nach Auslaufen der Prämie - kauft, wird bei den dann wieder notleidenden Autohändlern einen kräftigen Rabatt bekommen und kann außerdem sein Altauto noch für ein paar 100 € verkaufen. Richtig strange ist aber das Verhalten dieses Käufers, über den heute die FAZ berichtete:

Vor dem Subaru-Autohaus fährt ein VW Käfer vor. Baujahr 1957, schon mit dem größeren Fenster hinten, über der Klappe, unter der die Uralt-Boxermaschine lärmt und stinkt. Der Subaru-Verkäufer ist begeistert und bietet dem Mann spontan 3500 Euro für die rollende Antiquität. Aber der VW-Fahrer ist eigensinnig. Er will, dass das Auto verschrottet wird. „Nach mir soll ihn keiner mehr fahren“, sagt der Mann und wartet, bis die Kennzeichen entfernt sind und er die Bescheinigung für die Verschrottung erhalten hat.

So etwas tut weh. Der Panda zumindest bleibt noch für ein paar Jahre, wenn er sich gut benimmt: 20 Jahre sollten insgesamt ja wohl drin sein.

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