Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob nur jemand die Ryanair-Homepage gehackt hat oder ob Ryanair-CEO Michael O’Leary es ernst meint. Aber wie ich O’Leary kenne, ist letzteres gar nicht mal so unwahrscheinlich.
Auf ihrer Homepage fragt Ryanair die Kunden, ob sie auch stehend fliegen würden und illustriert diese Möglichkeit auch gleich mit einer schematischen Grafik. Stehplätze sollen auf Flügen bis zu einer Stunde Dauer angeboten werden und kostenfrei sein (wie man Ryanair kennt, kommen da wohl am Ende noch einige Gebühren dazu: Kreditkartengebühr, Gurtbenutzungsgebühr, Sicherheitsgebühr, Buchungsgebühr…).
In der Sache fände ich das ja gar nicht so schlecht. In vielen Zügen/Bussen stehen die Passagiere auch länger als eine Stunde, und niemand regt sich darüber auf. Und ob es nun so viel bequemer ist, eine Stunde in einem Flugzeug zu sitzen als zu stehen, wage ich auch zu bezweifeln.
Ob Ryanair es nun wirklich ernst meint, steht aber doch etwas in Frage angesichts eines Youtube-Videos, auf das Ryanair verlinkt: “Ryanair’s corporate song – I’m still standing“. Das Video ist eine Satire eines irischen Radiosenders, in dem O’Learys Geschäftsgebaren aufs Korn genommen wird, insbesondere der Umgang mit den Passagieren: “I don’t care if you’re pregnant or elderly”…
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Irgendwo las ich vor ein paar Wochen einen Artikel, der das Zusammentreffen zweier Freunde unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg beschrieb. Der eine war unverletzt durch den Krieg gekommen, während der andere einen Schuss in den Kopf erlitten hatte, welcher nicht unmittelbar tödlich gewesen war, jetzt jedoch dazu führte, dass der Betroffene mit der Aussicht auf nur noch wenige Tage zu Hause vor sich hin dämmerte. Als der Freund den Todkranken fragte, wie das war, als die Kugel in seinen Schädel eindrang, sagte der, sein einziger Gedanke sei gewesen: “Ach, so fühlt sich das an”.
Genau den gleichen Gedanken hatte ich am Montag nachmittag, als ich in der Neurologie der Uni-Klinik Kiel in einem fensterlosen Kellerraum saß und mir eine (überaus kompetent scheinende und freundliche) Assistenzärztin mit einer gar nicht so dünnen Hohlnadel auf Hüfthöhe zwischen zwei Wirbeln in den Rücken stach, um Nervenwasser für eine Untersuchung abzunehmen. Schmerz war es an sich kaum, nur eben das merkwürdige Gefühl, dass diese Hohlnadel dort eigentlich nicht hingehört.
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Kressmann Taylor: Adressat unbekannt, New York 1938.
Der Holocaust ist ein Verbrechen, welches selbst in der Rückschau schwer begreiflich ist. Umso mehr Anerkennung gebührt der amerikanischen Journalistin Kressmann Taylor, die bereits 1938 den Völkermord an den Juden erschreckend weitgehend vorausgeahnt hat.
“Adressat unbekannt” ist ein dünnes Büchlein, das mit einem Vorwort von Elke Heidenreich gerade einmal 60 Seiten umfasst. Es gibt den fiktiven Briefwechsel eines amerikanischen Juden und eines Deutschen zur Zeit der Machtergreifung Hitlers wieder. Am Anfang noch Geschäftspartner und Freunde, wird der Deutsche bald zum Anhänger des Nationalsozialismus und die Freundschaft wird zu Feindschaft, bevor der eine am Ende den anderen umbringt. Dies geschieht aber auf so perfide und für den Leser nicht vorhersehbare Weise, dass man erst auf der letzten Seite bemerkt, welches Spiel der eine mit dem anderen gespielt hat. Im Gegensatz zu Elke Heidenreich verrate ich hier nicht, wie. Auf jeden Fall sollte der Leser Heidenreichs Vorwort überblättern und gleich den eigentlichen Text lesen.
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