Die Zeichen der Zeit verkennen

Hans Modrow verkörpert Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieses Landes. Er vertritt […] eine bestimmte Generation und genießt großes Vertrauen nicht nur in seiner Partei, sondern in der Bevölkerung überhaupt.

Mit diesen Worten wirbt Gregor Gysi am 5. April 1990 für Modrows Kandidatur zum Präsidenten der ersten demokratisch gewählten Volkskammer der DDR (Plenarprotokoll S. 4, pdf).

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American Places II: Peace Arch Park

Nicht einfach. So kann man mit Recht das Verhältnis der Kanadier zu ihrem großen Nachbarn im Süden beschreiben. Es gibt Vancouverianer, die in ihrer Ablehnung den USA gegenüber soweit gehen, dass sie niemals dort hinfahren – obwohl es, von Vancouver aus, gerade mal eine halbe Stunde zur Grenze ist.

Die Grenzübergangstelle ist nicht so, wie man sie erwarten würde. Auf der Grenzlinie und drumherum ein schicker Park mit einem klassizistischen Bogen, der an den Frieden von 1814 zwischen den beiden Staaten erinnern soll. Die Grenzlinie – der 49. Breitengrad, der hier auf den Pazifik trifft – kann man hier beliebig oft überschreiten, ganz ohne Kontrolle, der Abgabe von Fingerabdrücken und dem Beantworten von Fragen der Homeland Security.

Bei der Ausreise aus den USA in den Norden wird man sowieso nicht kontrolliert, ebensowenig bei der Ausreise aus Kanada. Es wäre wohl nicht allzu schwer, sich hier an den Kontrollen vorbeizumogeln. Einen Grenzzaun wie in Tijuana gibt’s hier nicht. Offenbar wollen nicht allzu viele Kanadier in den USA illegal arbeiten. Wenn man legalerweise weiter in den Süden will, kommt man aber um eine Kontrolle nicht herum. Über diese Kontrolle wird viel Schlimmes verbreitet in Europa. Man werde von den Beamten wie ein potentieller Verbrecher behandelt, erkennungsdienstlich behandelt und nur widerwillig ins Land gelassen. Natürlich stimmt daran einiges: Eine Webcam macht ein Foto, während man dem Beamten gegenübersteht. Man legt seine Hand auf ein Sensorfeld, welches die Fingerabdrücke registriert und speichert. Man muss – trotz obligatorischer Voranmeldung im Internet – immer noch eine grüne Karte ausfüllen und Fragen zum Beispiel darüber beantworten, ob man vorhat, größere kriminelle Aktionen in den USA zu unternehmen, oder ob man an der Auslöschung der europäischen Juden 1933 bis 1945 beteiligt war. Wie böse und verurteilenswert diese Prozedur ist, muss letztlich jeder selbst für sich entscheiden.

Direkt auf der kanadischen Seite des 49. Breitengrades: 0 Avenue

Direkt auf der kanadischen Seite des 49. Breitengrades: 0 Avenue

Skeptisch war ich auf jeden Fall – bis zu dem Moment, wo man dann wirklich dem Beamten der Homeland Security gegenübersteht. Von da an wandelte sich das Bild. Die Beamten sind nämlich, und soweit ich von zwei Ein- und Ausreisen sagen kann, ausnahmslos, höflich, zuvorkommend, freundlich. Sind bereit zu Scherzen über die Unmengen an Stempeln, die sie auf die Formulare drücken. Klar, die Regelungen werden eingehalten, Fingerabdrücke, Formulare, Fotos. Aber die Höflichkeit der Beamten: Wieder ein Feindbild weniger…

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Same same but different (1000 Filme: 10)

26.02.2009, 21.00 Uhr, Studio Filmtheater Kiel (Saal 2), 5,50 €

26.02.2009, 21.00 Uhr, Studio Filmtheater Kiel (Saal 2), 5,50 €

Ein Elefant, der langsam, gemächlich, majestätisch und ohne Kenntnis der Gefahr durch ein kambodschanisches Minenfeld läuft: Dieses Bild am Anfang von Same same but different – am Ende wird es noch einmal wiederholt – ist die Quintessenz des Films.

Der Elefant ist zum einen der deutsche Tourist Benjamin, gerade erwachsen, der mit einem Kumpel nach Asien gefahren ist. In einem Club lernt Benjamin, der nicht so recht passt zu den anderen jungen europäischen Touristen, die Prostituierte Sreykeo kennen. Die beiden verbringen eine Nacht miteinander, verlieben sich, Benjamin muss am Ende des Urlaubs zurück, Sreykeo findet heraus, dass sie HIV-positiv ist. Benjamin hilft ihr, fliegt wieder nach Phnom Penh, organisiert Medikamente, gibt ihr (und ihrer Familie) Geld.

Diese Beziehung ist offensichtlich ein Minenfeld. Sie ist eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Benjamin umgeht die Minen allerdings mit der gleichen traumwandlerischen Sicherheit wie der Elefant, wobei beide wohl nicht wirklich wissen, in welcher Situation sie sich befinden. Am Ende steht ein Happy End; Benjamin und Sreykeo heiraten.

Der Elefant ist zum anderen der Regisseur Detlev Buck. Denn auch das Erzählen einer solchen Geschichte ist ein Gang durch ein Minenfeld; zuviel kann man eigentlich verkehrt machen bei einem so klischeehaften, unglaubwürdigen und potentiell kitschigen Plot. Es kommt Buck und dem Film zu Gute, dass die ganze Geschichte, bis in Details hinein, stimmt: Der Film beruht auf einem Buch von Benjamin Prüfer, der inzwischen mit der echten Sreykeo und zwei Kindern zusammenlebt. Buck bleibt sehr nah bei der Romanvorlage und schildert die Ereignisse, ohne sie bewerten zu wollen. Nur mit diesem Höchstmaß an Authentizität konnte Buck diesen Stoff glaubwürdig transportieren.

Zu dieser Authentizität gehört auch, dass der Film überwiegend an “Original”-Schauplätzen in Kambodscha gedreht wurde. Der Zuschauer erhält einen Einblick in das Leben der einfachen Menschen in Südostasien, das die meisten Urlauber nicht zu Gesicht bekommen (wollen).

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