Neues Headerbild: Parlamentsgebäude
Passend zu meinem Aufenthalt hier in Budapest gibt’s jetzt ein selbstgekochtes Bild von der Parlamentskuppel. Zum Gebäude werde ich bei Gelegenheit noch was schreiben!
Passend zu meinem Aufenthalt hier in Budapest gibt’s jetzt ein selbstgekochtes Bild von der Parlamentskuppel. Zum Gebäude werde ich bei Gelegenheit noch was schreiben!
Nicht zuletzt den Ungarn ist es zu verdanken, dass 1989 die Mauer fiel und ein knappes Jahr später Deutschland wiedervereinigt werden konnte: Die Grenzöffnung von Ungarn zu Österreich hatte im Sommer 1989 das erste Mal eine Massenflucht von DDR-Bürgern gen Westen ermöglicht und den Anfang vom Ende des SED-Staates eingeleitet.
Seit damals sind die ungarisch-deutschen Beziehungen durch eine besondere Nähe geprägt, die hier am 3. Oktober im Ungarischen Parlament sehr deutlich wurde. Es ist immerhin schon eine besondere Geste, dass der Präsident des Deutschen Bundestages (Norbert Lammert) am Nationalfeiertag nicht im Heimatland, sondern hier in Budapest war und sich mit der ungarischen Parlamentspräsidentin (Katalin Szili) getroffen hat.
Am 3. Oktober konnte man sich hier also durchaus zu Hause fühlen. Der gelungene Empfang der Deutschen Botschaft in der Kunsthalle am Heldenplatz trug dazu ebenso bei wie ein freundlich-warmer Spätsommertag, an dem man sich auch abends um elf noch an der freien Luft aufhalten konnte, ohne zu frieren.
Heute morgen bin ich von Hamburg nach Budapest geflogen. Bis zum 1. Dezember werde ich in Ungarn bleiben, und zwar als Stipendiat des Ungarischen Parlaments. Zusammen mit drei anderen deutschen Stipendiaten will ich mir zwei Monate lang ansehen, wie es dort zugeht. Natürlich soll auch auf tapastalatukat.de davon berichtet werden. Das Programm des Parlaments fängt am Mittwoch (1.10.) an; ich habe also noch ein paar Tage Zeit, um zusammen mit M. die Familie meiner Schwiegermutter zu besuchen.
Seit dem Sommer 2003, als ich zum ersten Mal hier war, fühle ich mich jedesmal wie zu Hause, wenn ich die Grenze oder den Flughafen hinter mir gelassen habe. Also, auf ein Neues: Újra itthon…
Eines der großen Projekte der rot-grünen Koalition ist der Ausstieg aus der Atomenergie gewesen. Auch wenn einige in der SPD und ganz vereinzelt sogar bei den Grünen in neuerer Zeit etwas zurückrudern, so stehen doch beide Parteien weiterhin im großen und ganzen hinter dieser Entscheidung.
Ob die friedliche Nutzung der Kernenergie richtig ist oder nicht, lässt sich lang und breit diskutieren. Ich bin schon seit Jahren der Meinung, dass wir in Deutschland einen Ausstieg vom Ausstieg brauchen. Die Alternative zur billigen und weitestgehend CO²-neutralen Atomenergie ist nämlich in der Praxis hauptsächlich nicht Sonnen-, Wind- und andere regenerative Energie, sondern das Verbrennen fossiler Brennstoffe, in Deutschland insbesondere auch von Braunkohle. Und jeder, der meint, ein Atomkraftwerk verschandele die Landschaft, sollte sich mal ansehen, was ein Braunkohletagebau mit der Landschaft macht.
Auf dem Weg nach Frankreich taten wir genau das. Der Tagebau Garzweiler liegt nicht weit von Köln und ist auf der Straßenkarte als großer weißer Fleck zu erkennen – die postmoderne Form der Terra incognita sozusagen. Das Tagebaugebiet wird gerade wieder um einige Quadratkilometer nach Westen ausgedehnt. Am Rand – nur ein, zwei Minuten von der Autobahn – gibt es vom Betreiber RWE einen Aussichtspunkt über das Abbaugebiet. Bis zum im Dunst verschwindenden Horizont sieht man dort nichts als eine Mondlandschaft. Die RWE-Leute, die dort an der Abbruchkante einen Picknicktisch aufstellen ließen, müssen wirklich äußert sarkastische Zeitgenossen sein.
Weitaus schlimmer sieht es aber in den Dörfern aus, die in den nächsten Monaten oder Jahren abgebaggert werden. Gleich neben der Autobahn liegt Pesch, ein kleines Straßendorf. Ein, zwei Häuser vielleicht sind dort noch bewohnt. In kurzer Zeit wird hier nichts mehr sein.
Hinter Pesch kam früher das wesentlich größere Otzenrath – heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Noch vor den Abbaubaggern wird jeder Baum gefällt und geschreddert, alles Menschgemachte an der Oberfläche vernichtet, selbst der Asphalt der Straßen wird abgetragen.
Im nebenan gelegenen Spenrath kann man zusehen, wie ein ganzes Dorf vernichtet wird.
Natürlich passiert das alles im Rahmen eines rechtlich klar geregelten Entschädigungsprozesses. Niemand verliert hier seine Existenz. Trotzdem ist die Vernichtung über Jahrhunderte gewachsener Orte und einer Kulturlandschaft ein sehr, sehr hoher Preis für eine Politik, die auf einfacher Unkenntnis über naturwissenschaftliche Zusammenhänge und auf Panikmache fußt.
Am Abend des 15. September 1931 saß meine Oma, damals knapp 23 Jahre alt, mit ihrer zukünftigen Schwägerin Maria hier bis 2 Uhr morgens zusammen und war erstaunt, wie genau ihre Eltern diese Maria unter die Lupe nahmen. 77 Jahre später – wenn auch nicht bis 2 Uhr morgens – saßen wir dort in der ehemaligen Schalterhalle und aßen einen Thunfisch-Krabben-Salat “Catarina dei Medici” (6,50 €) bei Francesco, der übrigens gut schmeckte.
Wohl jeder Norddeutsche, der ab und zu auf der A1 nach Süden fährt, kennt sie: Die Brückenraststätte Dammer Berge, direkt oberhalb der Autobahn gelegen. Auf der Frankreichreise führte unser Weg natürlich auch über die A1, und inspiriert von Marc, der der Raststätte mit seinem moorbraunen Dickschiff vor einigen Wochen einen Besuch abstattete, wollten wir es diesmal auch wissen. Für mich war es sogar schon das zweite Mal: Am 13. September 2002, also fast auf den Tag genau sechs Jahre vorher, war ich schon einmal (auf dem Weg zur Fähre nach Harwich) dort gewesen. Von Marc wusste ich ja schon, dass dort seitdem renoviert worden war. Er hatte zuvor befürchtet, “muffig-abwaschbaren Eichenholzdekor-Charme einer deutschen Autobahnraststätte aus den Siebziger Jahren” dort vorzufinden. Wir fanden jetzt etwas vor, das man auf neudeutsch wohl Food Court nennt. Nordsee, Burger King und einige andere Anbieter drängeln sich auf der doch recht kleinen Fläche der Raststätte mit dem Ergebnis, dass es dort – zumal an einem Sonntagnachmittag – viel zu voll ist. 2002 gab es dort in der Tat noch typisch deutsch-labberigen Filterkaffee, und wenn man auf den coolen Plätzen direkt über den unter einem vorbeischießenden Fahrzeugen sitzen wollte, musste man – so erinnere ich es zumindest – à la carte bestellen. Das ist heute also besser. Aber früher hatte das ganze irgendwie mehr Charme, der Innenraum wirkte viel luftiger, während er jetzt mit Fast Food-Einbauten zugestellt ist. Schade. Statt deutschem Filterkaffee gibt’s jetzt einigermaßen schmeckenden Automatenkaffee, und wer die Toilette benutzen möchte, darf dafür 50 Cent einwerfen. So sieht wohl Fortschritt aus.
In diesem Blog war es in letzter Zeit etwas ruhiger, weil ich mir eine internetfreie Woche gegönnt habe, und zwar in Form einer Autoreise durch Nordrhein-Westfalen, Belgien und vor allem Frankreich. Davon gibt’s hier demnächst häppchenweise mehr…
Über Israel hören wir jeden Tag sehr viel in den Nachrichten und wissen doch sehr wenig darüber, wie es sich für die Menschen dort wirklich anfühlt, in einem permanenten Kriegs- und Krisengebiet zu leben. Wer es erfahren möchte, sollte die Graphic Novel Exit Wounds lesen, die jetzt unter dem Titel Blutspuren auch in deutscher Übersetzung erschienen ist. Sie spielt im Jahr 2002, als es in Israel noch deutlich mehr palästinensische Attentate gab als in den letzten Jahren, in denen die Sperranlage zwischen Israelis und Palästinensern errichtet wurde.
Die 1966 geborene Israelin Rutu Modan erzählt in Blutspuren die Geschichte von Koby, der eine Nachricht erhält von einer Frau namens Numi, die behauptet, sein Vater, den er seit Jahren nicht gesehen hatte, sei bei einem palästinensischen Bombenattentat ums Leben gekommen. Zuerst sehr misstrauisch gegenüber der Unbekannten, begibt Koby sich schließlich doch mit ihr auf die Suche nach seinem Vater, der gleichzeitig Numis Geliebter war.
In dem gesamten Buch erscheint kein einziger Palästinenser, nicht in den Bildern, aber auch nicht in den Dialogen der Charaktere. Es fällt kein einziger Schuss; es explodiert keine Bombe. Dennoch wird sehr anschaulich, wie die Israelis mit der ständig vorhandenen, aber eben nicht sichtbaren Gefahr, in der sie leben, umgehen. Die Personen sind alle auf ihre eigene Art durch den enormen Stress psychisch deformiert worden, und so überrascht es nicht, dass die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Koby und Numi eine sehr merkwürdige bleibt. Der Begriff “Liebesgeschichte”, den Thomas von Steinaecker in seiner Rezension in der Süddeutschen Zeitung verwendet hat, wäre mir jedenfalls nicht als erstes in den Sinn gekommen.
Rutu Modan zeichnet in einem Stil, der der Ligne Claire von Hergé (Tim und Struppi) ähnelt. Die Bildhintergründe verschwimmen dabei immer in einem leichten Grauschleier, was den unwirklichen Charakter der Darstellung noch verstärkt.
Das Buch ist übrigens in deutscher Übersetzung sehr viel teurer (28,00 €) als in der englischen Fassung (12,95 €).
Bild: Wikipedia, Lizenz
[…] Seine Augen tränten ständig, und er trompetete ohne Unterlass. […]
06.09.2008, S. 9 (Deutschland und die Welt)
Der Hang zu nachträglicher Beschönigung ist nicht nur ärgerlich oder moralisch empörend, er ist vielmehr tendenziell antidemokratisch.
Der Politikwissenschaftler Hans-Joachim Veen in der Einleitung (S. VIII) zu Manfred Wilkes Buch “Der SED-Staat”