
26.02.2009, 21.00 Uhr, Studio Filmtheater Kiel (Saal 2), 5,50 €
Ein Elefant, der langsam, gemächlich, majestätisch und ohne Kenntnis der Gefahr durch ein kambodschanisches Minenfeld läuft: Dieses Bild am Anfang von Same same but different - am Ende wird es noch einmal wiederholt - ist die Quintessenz des Films.
Der Elefant ist zum einen der deutsche Tourist Benjamin, gerade erwachsen, der mit einem Kumpel nach Asien gefahren ist. In einem Club lernt Benjamin, der nicht so recht passt zu den anderen jungen europäischen Touristen, die Prostituierte Sreykeo kennen. Die beiden verbringen eine Nacht miteinander, verlieben sich, Benjamin muss am Ende des Urlaubs zurück, Sreykeo findet heraus, dass sie HIV-positiv ist. Benjamin hilft ihr, fliegt wieder nach Phnom Penh, organisiert Medikamente, gibt ihr (und ihrer Familie) Geld.
Diese Beziehung ist offensichtlich ein Minenfeld. Sie ist eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Benjamin umgeht die Minen allerdings mit der gleichen traumwandlerischen Sicherheit wie der Elefant, wobei beide wohl nicht wirklich wissen, in welcher Situation sie sich befinden. Am Ende steht ein Happy End; Benjamin und Sreykeo heiraten.
Der Elefant ist zum anderen der Regisseur Detlev Buck. Denn auch das Erzählen einer solchen Geschichte ist ein Gang durch ein Minenfeld; zuviel kann man eigentlich verkehrt machen bei einem so klischeehaften, unglaubwürdigen und potentiell kitschigen Plot. Es kommt Buck und dem Film zu Gute, dass die ganze Geschichte, bis in Details hinein, stimmt: Der Film beruht auf einem Buch von Benjamin Prüfer, der inzwischen mit der echten Sreykeo und zwei Kindern zusammenlebt. Buck bleibt sehr nah bei der Romanvorlage und schildert die Ereignisse, ohne sie bewerten zu wollen. Nur mit diesem Höchstmaß an Authentizität konnte Buck diesen Stoff glaubwürdig transportieren.
Zu dieser Authentizität gehört auch, dass der Film überwiegend an “Original”-Schauplätzen in Kambodscha gedreht wurde. Der Zuschauer erhält einen Einblick in das Leben der einfachen Menschen in Südostasien, das die meisten Urlauber nicht zu Gesicht bekommen (wollen).
Rubrik: 1000 Filme
Im Prozess gegen John Demjanjuk sagt der ehemalige Wachmann Alex N. aus
25.02.2010, S. 5 (Politik)
Rubrik: FAZ-Überschriften
Kein NRW-Geld für Kölner Archiv?
[...] Dabei hat die Versicherung schon 61,5 Millionen Euro ausbezahlt. [...] Es macht uns skeptisch, sagt Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, „dass der Kämmerer dieses Geld für den Ausgleich des Defizits im Haushalt einsetzt“.
26.02.2010, S. 35 (Feuilleton)
Rubrik: FAZ-Überschriften
Der bekannte Medien-Journalist und Berufsblogger Stefan Niggemeier, der ab und zu auch für die FAZ schreibt, hat bei Youtube Videos hochgeladen, über deren Urheberrechte er nicht verfügte. Youtube hat ihm nach einer Mahnung daraufhin das Benutzerkonto und alle Videos gelöscht.
Wenn mir so etwas passiert wäre, wäre ich wahrscheinlich froh, dass die Rechteinhaber mich nicht gleich abgemahnt haben. Stefan Niggemeier hingegen haut in die Tasten und schreibt einen Artikel in seinem Blog. Er gibt zwar zu, dass er die Videos nicht hätte hochladen dürfen, windet sich aber hin und her: Er will sich auf das Zitatrecht berufen - obwohl die Videoausschnitte unbearbeitet waren und eben nicht nur von den jeweiligen Blogartikeln, sondern auch direkt auf der Youtube-Seite abrufbar waren. Er meint, es sei nicht klug von den Rechteinhabern, die Löschung zu verlangen. Er regt sich über einen Rechtschreibfehler in einer automatisch generierten Antwort-Mail auf. Er wundert sich darüber, dass die gleichen Inhalte auf der Seite des Rechteinhabers öffentlich und kostenlos verfügbar sind.
Bei all dem ist der entscheidende Punkt: Die Rechtslage steht gegen Niggemeier. Eine unkommentierte, unbearbeitete Verbreitung eines Videos ist nicht vom Zitatrecht gedeckt. Darüberhinaus besteht kein Rechtsanspruch auf einen Youtube-Account. Und Niggemeier könnte die Videos ohne Probleme selbst hosten und einen Rechtstreit riskieren.
Das alles wäre im Grunde nicht weiter erwähnenswert, weil es in der deutschen “Blogosphäre” ein ganz alltäglicher Vorgang ist. Auch ist es kein Wunder, dass gleich jemand “Zensur” schreit. Interessant sind aber die Kommentare. Dort hat sich offenbar ein Kommentator geweigert, eine korrekte E-Mail-Adresse einzugeben, woraufhin Niggemeier dessen Kommentare gelöscht hat. Niggemeiers Begründung:
Die Verpflichtung verstößt nicht gegen das Gesetz.
Richtig. Das Löschen von Youtube-Accounts mit urheberrechtlich bedenklichen Inhalten übrigens auch nicht.
Rubrik: In der Welt
Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass die DDR unter anderem an ihrem Demokratiedefizit zugrunde gegangen ist
Die designierte LINKE-Vorsitzende Gesine Lötzsch im FAZ-Interview (FAZ 09.02.2010, S. 4).
Rubrik: Merkenswert

11.02.2010, vormittags
Heute vor einem Jahr war eindeutig weniger Schnee.
Rubrik: Balkonbilder
Am nördlichen Stadtrand von Vancouver hört die Straße auf. Vom Flughafen Los Angeles, 2000 km weiter südlich und 20 Grad wärmer, bis hierhin hat es auf der Interstate 5 gut zwei Tage gedauert. Von hier nach Norden führt an der Küste keine Straße mehr, nur weit, weit im Inland der Alaska Highway. Wer weiter nach Norden reisen will, nimmt eines der Wasserflugzeuge, die im Hafen von Vancouver unaufhörlich landen und starten.

Doch ein kleines Stück Zivilisation hinter dem Ende der Straße gibt es doch noch: Vom Fährhafen Horseshoe Bay fährt man eine knappe Stunde nach Gibsons. Tief hängen die grauen, regenreichen Wolken, die nach ihrer Reise über mehrere tausend Kilometer leeren Pazifik hinweg dankbar ihre Ladung an den Bergen British Columbias abladen: Die Landschaft ist voll von überbordendem Grün. Der Name dieser Küste - Sunshine Coast - will zunächst nicht so recht passen, um es vorsichtig auszudrücken.

Gibsons, zwar auf dem Festland gelegen, aber nur per Fähre zu erreichen, bildet das südliche Ende dieses Stückes Zivilisation hinter der Zivilisation: einige Dutzend Kilometer Straße an der Küste zur Strait of Georgia, die zwischen Festland und der langgezogenen, vorgelagerten Vancouver Island liegt. Ein kleiner Fischerort, der mich sofort an die Darstellung kleiner Fischerorte in Lustigen Taschenbüchern erinnert: Ein paar Fischkutter im grauen Wasser des Hafens, langsam-unaufgeregtes Leben auf zwei, drei Straßen. Hinter dem Ort an der Straße hie und da Villen reicher Vancouverianer, zwischendurch immer wieder Durchblicke zum Meer. Ab und zu Fährüberfahrten hindurch zwischen unbewohnten Inseln.

Doch Sunshine Coast überrascht. Nach einigen Stunden Fahrt hört der Regen auf, die Sonne bricht durch, und beim Picknick wird es auf einmal sogar warm. Dann, auf der Überfahrt hinüber nach Vancouver Island: Strahlender Sonnenschein.

Sunshine Coast ist ein Stück Zivilisation vor der Wildnis. Links von der Straße der Ozean, rechts davon einige 100 km bis zur nächsten Straße - näher kann man der legendären amerikanischen frontier nicht mehr kommen im 21. Jahrhundert.
Rubrik: American Places

Ob es am strengen Winter liegt? Auf dem Busch (im Bild links unten) vor dem Balkon sitzend, verspeiste gerade ein Wanderfalke eine soeben erlegte Amsel. (Dabei wird doch allenthalben vor dem Genuss nicht durcherhitzten Geflügels gewarnt.)

Rubrik: Balkonbilder

Die schönste Freude ist die Vorfreude. Beim Reisen kommt die Nachfreude hinzu: Zuhause sitzend, kann man auch Monate oder gar Jahre später die zurückliegende Reise nachvollziehen. Im September 2009 waren wir über vier Wochen lang in den USA und Kanada unterwegs, in Kalifornien, Nevada, Oregon, Washington und in British Columbia. Fast 10.000 km sind wir gefahren. In der Serie American Places sollen hier in den nächsten Monaten einige Orte entlang dieser 10.000 km vorgestellt werden.
Rubrik: American Places
Orhan Pamuk: Schnee. Roman, aus dem Türkischen übersetzt von Christoph K. Neumann, Frankfurt a. M. 2007.
Ein langes Buch, über 500 Seiten. Und es kommt sehr langsam in Fahrt. Der Erzähler Orhan berichtet von dem türkischen Dichter Ka, der sein deutsches Exil verlässt, um im Winter in ein entlegenes Kaff namens Kars zu fahren, ganz weit in der Osttürkei. Dort ereignet sich dann ein ziemlich absurder Militärputsch, gleichzeitig verliebt sich Ka. Von da an gewinnt die Handlung an Geschwindigkeit. Pamuk macht die zahlreichen Gräben, die die politische Öffentlichkeit durchziehen - Kopftuchfrage, die Rolle des Laizismus und des Islam, Beziehung zum “Westen”, Armenier, osmanische Vergangenheit - an diesem kleinen, rückständigen Ort sichtbar und damit gleichzeitig etwas lächerlich, aber auch besser begreifbar.
Als westlicher Leser ist man wahrscheinlich nicht in der Lage, alle Andeutungen zu begreifen, die Pamuk in dem Buch unterbringt. Aber man bekommt doch einen besseren Eindruck von den Themen, die in einem der in der heutigen Zeit interessantesten Länder eine Rolle spielen. Insofern: Ein politischer Roman, aber in ganz unaufdringlicher, angenehmer Art und Weise.
Rubrik: 1000 Bücher