Kaum noch Streit vor lauter Chaos

Niemand scheint in Rom noch zu bezweifeln, dass Mario Monti Ministerpräsident wird. Ihn stützt eine breite Koalition. Doch erst kommt das Votum über die Wirtschaftsreformen.

11.11.2011, S. 5 (Politik)

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Warum ich die Katholiken (manchmal) beneide

4048217471_56f308896aIch bin evangelisch, und auch wenn ich nicht behaupten kann, alle Fragen der protestantisch-christlichen Theologie verinnerlicht zu haben, bin ich doch froh darüber, nicht Katholik zu sein. Aber manchmal beneide ich die Katholiken etwas. Zum Beispiel in den letzten Tagen, als Benedikt XVI. Deutschland besucht hat.

Zum Beispiel seine Rede im Bundestag. Vieles daran hätte ich sofort unterschrieben, alles daran war bedenkenswert.

Oder die Forderung Benedikts (in seiner heutigen Rede in Freiburg), die Kirche müsse sich “entweltlichen”:

[Es gilt], jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, eben dadurch dass sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheiten sind.

Benedikt hat Recht: Die christliche Kirche - egal, ob katholische oder evangelische -, verliert ihren einmaligen Charakter, wenn sie sich verweltlicht. Natürlich soll und muss die Kirche auch in weltlichen Dingen eine Rolle spielen - das wird von Benedikt auch nicht geleugnet. Aber in ihrem Kern darf sich Kirche nicht einlassen in ein opportunistisches Kompromissgeschacher um theologische Inhalte, der ihrer Botschaft nur Schaden zufügen kann.

Deswegen finde ich auch Benedikts Ablehnung einer Ausweitung der Ökumene glaubwürdig. Wenn aus katholischer Sicht die Unterschiede so groß sind, dann ist es grundfalsch, wenn sich Katholiken (und Protestanten) hier einen Pippi Langstrumpf-Glauben zurecht zimmern nach dem Motto: “Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt”. Bundestagspräsident Lammert hat von Benedikt Schritte zur Überwindung der Kirchenspaltung gefordert. Warum eigentlich? Es hindert doch nichts die beiden Konfessionen daran, zusammenzuarbeiten und gleichzeitig ihre Unterschiede anzuerkennen.

Wie sieht es bei uns Protestanten aus? Wir haben keinen Benedikt. Wir haben Margot Käßmann, die für vieles von dem steht, was Benedikt kritisiert. Für einen verweltlichten, allzu häufig auch (partei)politisierten und damit letztlich beliebigen Glauben. Leider.

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Die Arroganz von Wikileaks & Co.

Gestern wurde bekannt, dass Wikileaks die Kontrolle verloren hat über die Cablegate-Daten - ein Leck im Leck sozusagen. Cablegate beinhaltet über 250.000 Botschaftsdepeschen der USA. In Bezug auf Deutschland steht da einiges unterhaltsames, vor allem aber viel belangloses Zeugs drin. Dass Guido Westerwelle nicht gerade ein außenpolitisches Talent ist, sondern eher “inkompetent”, dürften die meisten politisch Interessierten in diesem Lande schon vor Cablegate gewusst haben. Dementsprechend war die ganze Affäre  hier auch nur recht kurz in den Schlagzeilen. Ach ja, und der ehemalige Büroleiter von Westerwelle, Helmut Metzner, verlor seinen Job, weil er in der US-Botschaft Interna ausgeplaudert hatte.

In Bezug auf Länder, die mit den USA eine andere Art von Beziehung pflegen - Iran, Afghanistan, Irak - enthalten die Cablegate-Daten aber durchaus heikles Material, denn häufig werden die einheimischen Informanten, die dem Botschaftspersonal der USA die Informationen geliefert haben, namentlich genannt (oder sind zumindest anhand der genannten Einzelheiten identifzierbar). Dort mag es dann auch zu Konsequenzen kommen, die über eine reine Entlassung hinausgehen.

Nachdem nun die ganzen Daten, ohne jegliche Streichung von Namen, offenbar öffentlich sind, zeigt sich, wie arrogant Assange, Domscheit-Berg & Co. eigentlich sind. Denn die jetzige Veröffentlichung der ganzen Cablegate-Daten war auch von den Leakern nie gewollt. Sie wollten die Daten kontrolliert, das heißt: zensiert, öffentlich machen. Nichts anderes hätten übrigens die USA selbst gemacht: Nach dreißig Jahren wäre der Großteil der Botschaftsdepeschen sowieso öffentlich geworden. USA und Wikileaks stritten sich letztlich nur darum, wer darüber entscheidet, wann und in welchem Umfang die Botschaftsdepeschen veröffentlicht werden. Der Unterschied ist: Die USA sind rechtmäßiger Besitzer der Daten, außerdem ein Rechtstaat. Wikileaks ist ein unmoralischer, chaotischer Haufen, durch niemanden legitimiert (außer durch die eigene Überheblichkeit), angeführt von einem Narzissten. Moralisch überlegen waren die Leaker nie.

(Sehr deutlich, aber lesenswert hierzu auch Zettel.)

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Polski Elvis, mein polnischer Halbbruder

Adam Ga?ka aka Polski Elvis:

Wenn’s mit der Politikwissenschaft doch nix wird, kann ich ja immer noch umsatteln…

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Tartenschutz

Warum ehrt die Unesco das Essen der Franzosen?

18.11.2010, S. 33 (Feuilleton)

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Der amerikanische Saum

Die New Yorker Mode ist fürs Frühjahr in bester Nachkrisenstimmung – und gibt sich mindestens so exklusiv wie inklusiv.

16.09.2010, S. 9 (Deutschland und die Welt)

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Am See Genezareth mit Helmut aus Memmingen?

see_genezareth
Am See Genezareth ist’s schön. Ich weiß das, ich war schon mal da. Bald will ich wieder hin, deswegen versuche ich, im Internet ein Hotel zu buchen - dank Web 2.0 alles kein Problem. Auf der Seite eines Hotels in Tiberias sind gleich auch Testimonials von Kunden integriert. Da lese ich:
helmut_aus_memmingen
Ich habe zwar nicht besonders hohe Ansprüche an meine Herberge, aber am See Genezareth möchte ich bestimmt nicht ein reichliches Frühstück einnehmen in einem Speisesaal, in dem auch Helmut aus Memmingen sitzt. Ich muss wohl noch weiter suchen…

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Wanz in a lifetime

New York hat „bed bugs“ am Hals

Wie das Internetportal „bedbugregistry.com“ meldet, gilt New York mit mehr als 13 000 im vergangenen Jahr bei den Behörden angezeigten Fällen als Wanzen-Hochburg der Vereinigten Staaten.

04.09.2010, S. 9 (Deutschland und die Welt)

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Humoriges vom Staatskonzern: Der E-Postbrief

Manchmal holt die Wirklichkeit von heute die Witze von gestern ein. Ein E-Mail-Dienst mit Ruhetag am Montag, bei dem es schon mal vier Tage dauern kann, bis eine Mail zugestellt ist, ist ja an sich schon ein schlechter Witz. Genau so etwas versucht die Deutsche Post gerade mit einer absurd riesigen Werbekampagne einzuführen: Den E-Postbrief. Merke: Die Größe einer Werbekampagne ist umgekehrt proportional zum Nutzen eines Produkts für den Kunden.

Der “Nutzen” in diesem konkreten Fall: Wer den E-Postbrief der Post nutzt, muss täglich seine E-Mails abrufen, der Weitergabe seiner Daten zustimmen und zahlt dann für eine E-Mail genauso viel wie für einen Brief aus Papier: 55 Cent. Dafür hat dann ein E-Postbrief an ihn die gleichen Rechtsfolgen (in Hinsicht Verbindlichkeit) wie ein konventioneller Brief.

Aber der größte Witz ist eben: Google hat das schon vor Jahren angeboten. Bloß war es bei denen ein Aprilscherz und keine ernstgemeinte Geschäftsidee.

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Das International Center: Aushängeschild der Uni Kiel

Hier drin: International Center der Uni Kiel

Hier drin: International Center der Uni Kiel

Das International Center der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist zuständig für die Betreuung ausländischer Studierender in Kiel und für die Betreuung Kieler Gaststudenten an ausländischen Hochschulen. Früher, als ich anfing zu studieren, hieß das International Center noch Akademisches Auslandsamt. Dann hielt man es für notwendig, diese etwas sperrige Bezeichnung durch eine englische zu ersetzen. Aber, wie bei Arbeitsamt/Arbeitsagentur oder Raider/Twix: Es ist immer noch das gleiche drin.

In diesem Fall: Die gleichen Mitarbeiter. Womit ich nichts gegen den öffentlichen Dienst sagen möchte. Dort arbeiten viele Mitarbeiter, die sehr engagiert sind. Aber es arbeitet eben auch Frau K. dort. Vielleicht hatte sie auch einfach nur einen schlechten Tag.

Das International Center hatte einen Zulassungsbescheid zum Studium verschickt. Dort heißt es:

Die Immatrikulation erfolgt in der Sprechstunde von Frau [K.] im International Center. Die Sprechstunde findet statt: montags 09:00-12:00 Uhr, dienstag 14:00-16:00 Uhr und donnerstags 09:00-12:00 Uhr.

Sprechstunden sind an der Uni ja nun eine heilige Sache. Frau K. hat zweifelsohne viel zu tun, so dass sie für den lästigen Publikumsverkehr nur acht Stunden in der Woche zur Verfügung stehen kann. Aber man soll nicht meckern: Es gibt durchaus Uni-Einrichtungen, die deutlich weniger als acht Stunden in der Woche erreichbar sind.

Also ging die angeschriebene Studentin heute - am Montag um 11 Uhr - mithin also innerhalb der auf dem Bescheid angegebenen Zeiten - zum International Center in das auf dem Bescheid angegebene Büro von Frau K. Diese blöffte sie an, was sie denn hier wolle, es seien doch Semesterferien und die Sprechzeiten entsprechend reduziert. Dumm nur, dass die Immatrikulation nach Auskunft des Beleges auf jeden Fall bis zum 24. September erfolgen muss - also die gesamte Zeit zur Erledigung der Immatrikulation in den Semesterferien liegt.

Aber nun kommt etwas Typisches im Umgang von Bittsteller und Beamten ins Spiel: Die Gnade. Man ist ja kein Unmensch. Nachdem Frau K. der frechen internationalen Studentin deutlich genug gemacht hatte, wie abwegig ihr Verlangen ist, während der auf dem Bescheid angegebenen Sprechstunde tatsächlich vorstellig zu werden, und nachdem die Studentin sich vielmals für diese Ungeheuerlichkeit entschuldigt hatte, überkam Frau K. ein Anfall von Barmherzigkeit, und so wurde die Immatrikulation tatsächlich durchgeführt, nicht ohne währenddessen darauf hinzuweisen, dass es sich aber nun wirklich um eine Ausnahme handele und man außerdem, bedaure, noch eine Sondergebühr von 6 € für einen angeblich verlorenen (in Wahrheit aber auf dem Weg von Hochhaus zum International Center von der Uni verschlampten) Rückmeldeantrag erheben müsse. So konnte am Ende, nachdem Frau K. noch einmal zeigen durfte, wer Herr ist und wer Knecht, der Verwaltungsvorgang abgeschlossen werden.

Ja, das Leben im öffentlichen Dienst ist wahrlich eine Qual, beizeiten.

Nun könnte man sich natürlich sorgen darum, dass das International Center auf diese Art und Weise internationale Studierende verschreckt. Schließlich ist diese Behörde (und etwas anderes ist es ja nicht) der erste Berührungspunkt für Studierende aus aller Welt, die für ihr Studium oder für ein Gastsemester an die Christiana Albertina kommen. Aber das ist natürlich vollkommen abwegig, denn letztlich zeigt das International Center nur den Ausländern von Anfang an, wie es in der Verwaltung einer anständigen deutschen Universität zugeht. Wo kämen wir sonst auch hin.

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