Rettet den Panda!

Es gibt zwei Arten von Pandafahrern. Für die einen – die Mehrheit – ist der Einfachst-Fiat nur eine Übergangslösung auf dem Weg zu einem “richtigen” Auto. Man fährt Panda, weil es eben für mehr finanziell (noch) nicht reicht. Die anderen – die Minderheit – haben einen Panda, weil sie nicht mehr Auto brauchen. Wer braucht schon mehr als 900 Kubikzentimeter und 29 PS? Wer muss schneller fahren als 120? Wer will sich während der Fahrt unterhalten? Wer möchte einen Autounfall schon überleben?

Sicher ist: Der Panda wird zum Kultauto, wie vor ihm der Käfer, die Ente oder der (alte) Fiat 500. Ein Schritt auf dem Weg dahin ist eine neue Ausstellung in München. Der Italiener Paolo Tumminelli hat sich auf dem Weg gemacht durch sein Heimatland und Fotos gemacht vom Haushaltsgerät auf Rädern im Einsatz. Zu sehen bis zum 4. Januar 2009 in der Pandakothek Pinakothek der Moderne in München unter dem Titel “Rettet den Panda!” Sehr interessant übrigens auch die Geschichte, wie der in der Ausstellung stehende Panda nach Deutschland kam.

(Siehe hier; via.)

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I’m a barbie cam in a barbie world

Die ganze Welt kann einfach rosa sein: Canon Powershot E 1
[…]
Vor allem in Rosa – zu haben ist das Gehäuse auch in Bübchenblau und Schneeweiß – schaut die zehn Megapixel liefernde Kompaktkamera aus, als habe Barbie über eine Canon Ixus ihren Himbeershake gekippt.
[…]
Die […] rosa Kamera ist jedoch durchaus aufs Anspruchsvoller-Werden durch Weiterbildung angelegt. Gut möglich, dass Ken immer nur im Easy-Herzchen-Modus draufdrückt, Barbie hat auf alle Fälle einiges an ihrer softeisfarbenen Box zu entdecken.

11.11.2008, S. T2 (Technik und Motor)

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Wolf Biermann und die Stasi

Es weiß doch jedes Kind, dass es viel, viel leichter ist, in einen stehenden Zug nicht einzusteigen als aus einem fahrenden Zug abzuspringen.

Der Liedermacher Wolf Biermann über die Gefahr, als junger Mensch von der Stasi als Spitzel angeworben zu werden:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=FfXR4Obq23M&hl=de&fs=1]

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Obama wird neuer US-Präsident …

… dann könnte McCain doch jetzt eigentlich neuer Ministerpräsident in Hessen werden.

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Die Wende 1989/90: Ungarische Traumata (2)

Ungarns Wende 1989/90 vom Staatssozialismus zur Demokratie ist grundlegend anders als die Entwicklungen, die sich in dieser Zeit in anderen osteuropäischen Ländern abgespielt hat. In der DDR zum Beispiel war die Wende eine Bewegung, die gegen die Staatspartei SED gerichtet war und im November 1989 schließlich mit dem Mauerfall ihren Höhepunkt fand. Die SED war an dieser Wende nicht beteiligt, sie lehnte sie ganz überwiegend geschlossen ab.

Die Wende in Ungarn hingegen ist eine Entwicklung, die von der damaligen Staatspartei selbst ausging, und die eigentlich auch schon 1988 begonnen hatte. Die ungarische sozialistische Staatspartei (MSZMP) war schon seit Jahrzehnten in zwei Flügel gespalten gewesen: Einem konservativ-staatskommunistischen Flügel stand ein reformfreundlicher Flügel gegenüber. 1988 konnten sich die Reformer durchsetzen und drängten den 75-jährigen Parteichef Janos Kádár in den Ruhestand. Unter dem Ministerpräsidenten Miklós Németh (ab November 1988) entschied sich die MSZMP, den Staatssozialismus abzuschaffen und leitete entsprechende Schritte ein: Die Staatspartei erklärte sich grundsätzlich bereit, im Rahmen eines Mehrparteiensystems arbeiten zu wollen. Imre Nagy – Hauptakteur des Volksaufstandes 1956 gegen die Sowjetunion – wurde rehabilitiert. Mit den aufkommenden Bürgerbewegungen und Parteien bildete man einen runden Tisch. Die Ausarbeitung einer neuen, demokratischen Verfassung wurde auf den Weg gebracht. Das Kontroll- und Sperrsystem an der Grenze zu Österreich wurde abgebaut; später wurde die Grenze ganz geöffnet. (Die Ungarn hatten schon seit einigen Jahren, im Gegensatz zu den DDR-Bürgern, Reisefreiheit, so dass die teure Grenzüberwachung für die ungarische Regierung sowieso sinnlos geworden war.)

All diese Schritte wurden unternommen auf Initiative der MSZMP-Regierung. Der Historiker Andreas Schmidt-Schweizer, der ein sehr genaues (und sehr lesenswertes) Buch über die Entwicklung Ungarns in dieser Zeit geschrieben hat, meinte (in einem Zeitungsinterview) sogar, es habe in Ungarn 1989/90 keine Revolution gegeben:

Der Systemwechsel war in Ungarn völlig gewaltfrei und friedlich. Er lief praktisch im Rahmen eines Prozesses von Gesetzgebung und Gesetzesmodifikation ab. Es gab damals auch keine riesigen Demonstrationen. Der Druck „von unten“, also von Seiten der Gesellschaft war im Vergleich zu Polen, wo es richtige Systemwechseldemonstrationen gegeben hat, gering.

Auch habe es, so Schmidt-Schweizer weiter, nicht einen Systemwechsel gegeben, der zwischen der Staatspartei und den Bürgerbewegungen verhandelt worden sei:

Meines Erachtens trifft der Begriff „verhandelt“ für die Vorgänge in Ungarn nicht zu. Vielmehr gab es meiner Ansicht nach eine Transformation von innen. Diese wurde von bestimmten Kräften innerhalb der Staatspartei initiiert. Die wesentlichen Schritte des Übergangs wurden von Politikern der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (MSZMP) eingeleitet, vor allem von Staatsminister Imre Pozsgay und Ministerpräsident Miklós Németh. Diese Schritte wurden bereits vor den Ausgleichsverhandlungen, den so genannten Rundtischgesprächen zwischen Machthabern und Opposition, unternommen.

Damit war die ungarische Demokratisierung wohl einzigartig in Osteuropa. Während in Ungarn die MSZMP freiwillig den Staatssozialismus und damit letztlich sich selbst abschaffte, wurde im Nachbarland Rumänien der Diktator Ceausescu erschossen.

Offenbar hatten einige kluge Köpfe bei der MSZMP spätestens 1987/88 erkannt, dass es mit dem bisherigen System nicht mehr so weitergehen konnte wie bisher. Dadurch war die Wende in Ungarn eine Reform, keine Revolution, was ja nichts schlechtes sein muss: Immerhin floss kein Blut, es gab keine Anarchie, sondern eine Kontinuität der öffentlichen Ordnung. Dennoch hat diese Tatsache auch eine Schattenseite: Vielen Menschen und nicht-sozialistischen Politikern in Ungarn fehlt bis heute ein offener Bruch, eine klare Trennung zwischen alter und neuer Ordnung. Zwar wurden die Revolutionäre von 1956 rehabilitiert, doch kam es nicht zu einer Verurteilung der auf ungarischer Seite an der Niederschlagung beteiligten Akteure. Es gab keine Anklagen, keine Prozesse. Viele Menschen, die in der Diktatur (großes) Unrecht getan hatten, bezogen auch in der Demokratie weiterhin unbehelligt ihre Rente. Vielen Ungarn erscheint das als ungerecht, und sie beschuldigen die MSZMP, die seit 1990 als MSZP firmiert, belastende Dokumente aus den Staatsarchiven im Laufe der Wende beseitigt zu haben.

Hinzu kommt, dass zwar 1990 nach den ersten freien Wahlen eine bürgerliche Regierung an die Macht kam, 1994 es jedoch der MSZP wieder gelang, die Wahlen haushoch zu gewinnen und die Regierung zu stellen. Auch ist die MSZP die einzige Partei, der es nach der Wende gelang, zwei Wahlen hintereinander zu gewinnen (2002 und 2006). Gleichzeitig, so der Vorwurf, profitiert die MSZP bis heute von ihrem Zugriff auf die (ehemals staatlichen) Medien und von Gewinnen aus der Privatisierung, weil findige sozialistische Politiker nach der Wende immer am besten darüber informiert waren, wann ein lukrativer Staatsbetrieb privatisiert wurde. Der derzeitige Ministerpräsident, Ferenc Gyurcsány, hat in den Achtzigerjahren innerhalb der Jugendorganisation der Staatspartei Karriere gemacht und sicherte sich nach der Wende unter anderem eine Hotelanlage am Balaton. Er ist heute ein reicher Mann. In einem Land, in dem viele Rentner Probleme haben, sich Monat für Monat über Wasser zu halten, sorgt das für viel Unmut.

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Misslungene Privatisierung einer Hühnerkolchose

Huhn

Ehemalig sozialistische Staatshenne: Don't eat me this way

In Ungarn gab es in der Zeit des Staatssozialismus natürlich, genauso wie in allen anderen Ländern des sozialistischen Lagers, die kollektivierte Landwirtschaft. Nach der Wende 1989/90 wurden diese Großbetriebe privatisiert, wobei – so ein häufig vernommener Vorwurf der Nicht-Sozialisten hier in Ungarn – die Sozialisten aufgrund ihrer Kontakte in der Lage waren, sich die attraktivsten Betriebe für eine Handvoll Forint unter den Nagel zu reißen. Der derzeitige Ministerpräsident, Ferenc Gyurcsány, hat in dieser Zeit das Fundament gelegt für sein Vermögen, das mittlerweile die Grenze von 1 Milliarde Forint (das sind nur ungefähr 4 Millionen €, aber “Forintmilliardär” klingt so richtig nach bösem Industriemagnat) überschritten hat. Das weiß jeder in Ungarn.

Durch unseren Aufenthalt am ungarischen Parlament konnten wir aber einen echten Skandal der Privatisierung im Bereich der Landwirtschaft aufdecken. Ganz offensichtlich ist es der Verwaltung des Parlaments gelungen, unmittelbar nach der Wende eine größere Geflügelkolchose (dem Vernehmen nach in der Nähe von Kiskunfélegyháza [sprich: Kischkuhnfehledjhahsa]) für einen Apfel und ein…, also, auf jeden Fall für einen sehr günstigen Preis zu übernehmen. Woher wir das wissen? Nun, man muss nur mal einen Blick werfen auf die Speisekarte der Parlamentskantine (die übrigens auf den schönen Namen “Gala Party Service” hört):

Montag: Hähnchenschnitzel mit Reis

Dienstag: Hähnchenkeule mit Pommes

Mittwoch: Paniertes Hähnchenbrustfilet mit Kartoffeln

Donnerstag: Hühnergulasch, dazu auf Wunsch ein Ei

Freitag: Hähnchenschaschlik mit Paprika

Vielleicht werde ich hier noch zum Vegetarier. Oder ich esse im Dezember in Deutschland einen Monat lang nur Schweinefleisch. Jeden Tag.

[Bild: Wikipedia, Lizenz]

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Gyurcsánys Lügenrede: Ungarische Traumata (1)

Nach ungefähr zwei Wochen am ungarischen Parlament, nach einer Vielzahl von Gesprächen mit Mitarbeitern und Politikern, merke ich langsam, dass es einige Themen gibt, die sich wie ein roter Faden durch unseren Aufenthalt hier ziehen, weil sie offenbar latent, unter der Oberfläche, für Ungarn eine große Rolle spielen. Fast immer handelt es sich dabei um in irgend einer Weise traumatische Ereignisse. In nächster Zeit möchte ich hier einige davon darstellen. Wenn man die verschiedenen Traumata Ungarns kennt, dann versteht man die Gemütslage des Landes ganz gut.

In der jüngeren politischen Geschichte des Landes ist das prägende traumatische Ereignis ohne Zweifel eine Rede des Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány [sprich: Djurtschanj]. Gyurcsány hatte im Mai 2006 auf einer eigentlich nicht-öffentlichen Sitzung von Abgeordneten seiner Partei, der Ungarischen Sozialisten (MSZP), geredet und die Arbeit der sozialistisch-liberalen Koalition seit Amtsantritt 2002 so zusammengefasst:

Wir haben keine Wahl. Und zwar, weil wir es versaut haben. Nicht ein bisschen, sondern sehr sogar. In Europa hat kein Land so einen Unfug getrieben wie wir. Es mag dafür eine Erklärung geben. Wir haben offensichtlich in den vergangenen anderthalb bis zwei Jahren von Anfang bis Ende gelogen. Es war vollkommen klar, dass das, was wir sagten, nicht die Wahrheit war. […] Und im Übrigen haben wir vier Jahre lang überhaupt nichts getan. Gar nichts. Ich kann euch keine einzige Regierungsmaßnahme nennen, auf die wir stolz sein können, abgesehen davon, dass wir am Ende das Regieren aus der Scheiße wieder hochbringen konnten. Überhaupt nichts. Wenn wir dem Lande gegenüber Rechenschaft ablegen müssen darüber, was wir im Verlaufe der letzten vier Jahre taten, was sagen wir denn dann? […] Ich bin fast daran verreckt, anderthalb Jahre lang so tun zu müssen, als ob wir regiert hätten. Stattdessen logen wir morgens, nachts und abends. Ich will nicht mehr.

Das ist ein Auszug aus der deutschen Übersetzung der Rede, die sich bei der taz findet. Und wenn man ein bisschen ungarisch spricht und das Original kennt, dann weiß man, dass “Wir haben’s versaut” im Vergleich zum ungarischen Original wirklich ein milder Ausdruck ist. Gyurcsány, der als emotionaler Mensch bekannt ist, hat also wirklich Tacheles geredet.

Die Rede ist von irgendjemandem aufgenommen worden und einige Zeit später veröffentlicht worden. Da hatte Gyurcsány mit der Sozialistischen Partei gerade die Parlamentswahlen 2006 (knapp) gewonnen. Das Ansehen und die Umfragewerte der Sozialisten fielen nach dem Bekanntwerden der Rede in den Keller, wo sie bis heute sind. 

Die Opposition (FIDESZ) lief Sturm gegen Gyurcsány, was sie im wesentlichen bis heute tut. (Erst die Finanzkrise hat in dieser Woche zu einer leichten Annäherung von FIDESZ und MSZP geführt.) Der Ministerpräsident ist bis heute nicht zurückgetreten, obwohl ihm in diesem Frühjahr auch noch der liberale Koalitionspartner und somit die parlamentarische Mehrheit abhanden gekommen ist und er eine Minderheitsregierung führt.

Die “Lügenrede” Gyurcsánys ist das prägende Ereignis der letzten Jahre für die ungarische Politik. Heute stehen sich die Opposition und die Regierungspartei unversöhnlich gegenüber; das politische Klima ist immer noch vergiftet. Von 2006 an bis zu dieser Woche hat FIDESZ bei jeder Parlamentsrede Gyurcsánys demonstrativ den Plenarsaal verlassen. Regelmäßig – vor allem am Nationalfeiertag, dem 23. Oktober – kommt es zu aufstandsähnlichen Ausschreitungen in Budapest. All das lässt sich nur auf der Grundlage des Eingeständnisses Gyurcsánys, dem Land jahrelang und bewusst geschadet zu haben, nachvollziehen.

Die Sozialisten und Gyurcsány selbst sehen das etwas anders. In der Tat wird die Rede immer nur unvollständig zitiert. In den weniger zitierten Teilen versucht Gyurcsány, seine Fraktion von der Notwendigkeit harter Reformen zu überzeugen. Nachdem die MSZP 2002 die Wahl gewonnen hatte, hatte es nämlich zunächst ein großangelegtes Ausgabenpaket gegeben, um die Wahlversprechen zu erfüllen. Diesen Fehler seines Vorgängers wollte Gyurcsány offenbar nicht wiederholen. Man kann seine Situation mit der Gerhard Schröders vergleichen, der ja auch direkt nach dem Regierungsantritt 1998 vor härteren Reformen zurückschreckte und einen konsensualen Anlauf nahm (“Bündnis für Arbeit”), bevor er dann 2002 die Agenda 2010 auf den Weg brachte. Gyurcsány hat auch versucht, mit dieser Absicht seine Rede zu erklären, u. a. in einem CNN-Interview:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=6HTKhm7rlKs&hl=de&fs=1]

Im Frühjahr 2007 hat die Opposition ein Volksreferendum angestrengt und einige Reformmaßnahmen der Regierung mit überwältigender Mehrheit vom Tisch gefegt. Die Opposition – FIDESZ – sagt, das sei nur eine Reaktion auf Gyurcsánys Rede. Die MSZP-Politiker, mit denen wir sprachen, weisen das von sich: Beides habe nichts miteinander zu tun.

Unabhängig davon, wer Recht hat: Die derzeitige Situation ist vor allem durch Stillstand geprägt. Die Liberalen haben die Koalition verlassen, weil die MSZP vor der Wahl 2010 keine Reformen mehr anstrengen möchte. Einige liberale Politiker, mit denen wir geredet haben, machen schon einen ziemlich resignierten Eindruck. Auch MSZP-Abgeordnete haben offen gesagt, dass man die notwendigen, aber eben unpopulären Reformen erst nach der nächsten Wahl anfassen werde. Unterdessen fällt Ungarn im Vergleich zu seinen Nachbarn weiter zurück. 2009 führt die Slowakei den Euro ein, während daran in Ungarn momentan überhaupt nicht zu denken ist.

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Danke, Marcel Reich-Ranicki!

Ich habe schon vor vielen Jahren meinen Fernseher verkauft und spare mir seitdem den Fernsehanteil der GEZ-Gebühren. Ich habe es bis heute keinen Tag lang bereut. Nicht alles, was gesendet wird, aber zumindest doch der Großteil des Programms ist einfach eine Beleidigung jedes halbwegs intelligenten Menschen. MRRs Auftritt zeigt, dass es sich keinesfalls um den irrationalen Ausbruch eines Tattergreises gehandelt hat, sondern um die kritische Äußerung eines Menschen, der auch mit 88 Jahren noch erfreulich klar denken kann.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=KWuinyJgKew&hl=de&fs=1]

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Mein Zuhause: Zrínyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem

Die Zrinyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem. Das letzte m ging im Laufe der Jahre verloren.

Die Zrínyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem. Das letzte "m" ging im Laufe der Jahre verloren.

Untergebracht bin ich hier in Budapest in der Zrínyi Miklós Nemzetvédelmi Egyetem (kurz ZMNE). Wörtlich übersetzt heißt das: Nikolaus Zrínyi-Landesverteidigungsuniversität. Die ZMNE ist eine Bildungseinrichtung der ungarischen Armee, und das Gelände hier ist eine Mischung aus Kaserne und Universität. Man merkt das daran, dass die Studenten zwar Uniform tragen und sich im Gleichschritt über das Gelände bewegen, aber alle die gleiche schwarze Aktentasche dabei haben. Jeden Morgen treten die Studenten auf dem Appellplatz in Uniform an und exerzieren etwas in der Gegend herum. An manchen Tagen gibt’s dazu schmissige Marschmusik. Den Rest des Tages scheinen sie mit weniger militärischen Zeitvertreiben zu verbringen; irgendeine Waffe habe ich hier zumindest noch nicht gesehen. Ich habe mich bisher nicht getraut, die Soldaten zu fotografieren.

Es ist natürlich eine gemeine Ironie des Lebens, dass ausgerechnet ich – als Kriegsdienstverweigerer! – einmal für zwei Monate in einer Kaserne leben soll. Aber es hat auch seine Vorteile. Der Stadtteil hier ist wohl, nunja, zeitweilig etwas seedy. Und weil zwei Seiten des Gästehauses, in dem wir hier untergebracht sind, direkt an das Ghetto benachbarte Stadtviertel grenzen, hat man ganz militärisch-pragmatisch mit Gittern vor den Fenstern, haufenweise Überwachungskameras und einigen Rollen Stacheldraht nachgeholfen. Dadurch hat das ganze mitunter den Flair eines Gefängnisses, aber ich möchte nicht unfair sein: Immerhin ist das Gebäude in diesem Sommer frisch renoviert worden. Und vor meinem Fenster sind keine Gitter, sondern nur Stacheldraht.

Das Gästehaus

Das Gästehaus

Unser Ansprechpartner hier, Imre, liest uns jeden Wunsch von den Lippen ab. Seine Familie kam ursprünglich aus Serbien, was irgendwas mit den Türken zu tun hat, und er macht serbischen Volkstanz. Serbische Volksmusik klingt genauso wie bayerische, ganz anders als die ungarische. Dass ich das alles weiß, zeigt, dass der gute Imre sich nicht nur um uns kümmert, sondern in seinen Ausführungen mitunter leicht abschweift. Er kann ein paar Worte deutsch, aber seit ich den Fehler gemacht habe, ihm zu verraten, dass ich ein paar Worte ungarisch spreche, unterhalten wir uns unterhält er mich nur noch auf ungarisch.

Vergitterte Fenster. Natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit.

Vergitterte Fenster. Natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit.

Ansonsten ist alles natürlich straff militärisch durchorganisiert: Wir haben einen Ausweis fürs Tor, den aber nie jemand kontrolliert, wenn man die dort sitzenden Wachen anlächelt und mit forschem Schritt vorbeieilt. Und die neue Waschmaschine, die Imre uns versprochen hat, kommt zuverlässig “morgen”, seit vorletztem Freitag.

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Site de Larina

Dieser Eintrag ist Teil des Berichts zur Frankreichreise im September 2008.

Eckiges Auto in Hières-sur-Amby

Eckiges Auto in Hières-sur-Amby

Durch Zufall kamen wir im Südosten Frankreichs durch den kleinen Ort Hières-sur-Amby (frz. Wikipedia) und sahen an einer Kreuzung ein Hinweisschild zur “Site de Larina 10 km”. Wir wussten nicht, was Larina war, waren aber neugierig genug, es herauszufinden. Der Ort Hières liegt unterhalb einer steilen Felswand, und die Ausschilderung nach Larina führte uns über eine kleine Straße an eine Stelle direkt oberhalb des Ortes auf dem hier abbrechenden Felsplateau.

Site de Larina

Site de Larina

An einem kleinen Parkplatz endete die Straße. Einige hundert Meter weiter fanden wir schließlich die Ausgrabung einer antiken Siedlung. Viel mehr als die Grundmauern einiger Gebäude gab es nicht zu sehen, aber die Lage der Siedlung war wirklich sehr gut gewählt, denn an drei von vier Seiten ist der Ort von steil abfallenden Felswänden umgeben (Luftbild). Larina wurde noch in vorrömischer Zeit von den Allobrogern gegründet, dann romanisiert, und schließlich in merowingischer Zeit aufgegeben.

Ruinen von Larina

Ruinen von Larina

Neben den Grundmauern einiger Gebäude gibt es noch einige Gräber zu sehen:

Nekropole von Larina

Nekropole von Larina

Larina ist eine der vielen kleinen Sehenswürdigkeiten in Frankreich, die man wohl in kaum einem Reiseführer findet, die aber dennoch sehr sehenswert sind. Es lohnt sich meistens, wenn man den kleinen Hinweisschildern an den Durchgangsstraßen folgt.

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