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Die Zeichen der Zeit verkennen

18. März 2010 · Keine Kommentare bisher

Hans Modrow verkörpert Geschichte, Gegenwart und Zukunft dieses Landes. Er vertritt [...] eine bestimmte Generation und genießt großes Vertrauen nicht nur in seiner Partei, sondern in der Bevölkerung überhaupt.

Mit diesen Worten wirbt Gregor Gysi am 5. April 1990 für Modrows Kandidatur zum Präsidenten der ersten demokratisch gewählten Volkskammer der DDR (Plenarprotokoll S. 4, pdf).

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American Places II: Peace Arch Park

11. März 2010 · Keine Kommentare bisher

Nicht einfach. So kann man mit Recht das Verhältnis der Kanadier zu ihrem großen Nachbarn im Süden beschreiben. Es gibt Vancouverianer, die in ihrer Ablehnung den USA gegenüber soweit gehen, dass sie niemals dort hinfahren - obwohl es, von Vancouver aus, gerade mal eine halbe Stunde zur Grenze ist.

Die Grenzübergangstelle ist nicht so, wie man sie erwarten würde. Auf der Grenzlinie und drumherum ein schicker Park mit einem klassizistischen Bogen, der an den Frieden von 1814 zwischen den beiden Staaten erinnern soll. Die Grenzlinie - der 49. Breitengrad, der hier auf den Pazifik trifft - kann man hier beliebig oft überschreiten, ganz ohne Kontrolle, der Abgabe von Fingerabdrücken und dem Beantworten von Fragen der Homeland Security.

Bei der Ausreise aus den USA in den Norden wird man sowieso nicht kontrolliert, ebensowenig bei der Ausreise aus Kanada. Es wäre wohl nicht allzu schwer, sich hier an den Kontrollen vorbeizumogeln. Einen Grenzzaun wie in Tijuana gibt’s hier nicht. Offenbar wollen nicht allzu viele Kanadier in den USA illegal arbeiten. Wenn man legalerweise weiter in den Süden will, kommt man aber um eine Kontrolle nicht herum. Über diese Kontrolle wird viel Schlimmes verbreitet in Europa. Man werde von den Beamten wie ein potentieller Verbrecher behandelt, erkennungsdienstlich behandelt und nur widerwillig ins Land gelassen. Natürlich stimmt daran einiges: Eine Webcam macht ein Foto, während man dem Beamten gegenübersteht. Man legt seine Hand auf ein Sensorfeld, welches die Fingerabdrücke registriert und speichert. Man muss - trotz obligatorischer Voranmeldung im Internet - immer noch eine grüne Karte ausfüllen und Fragen zum Beispiel darüber beantworten, ob man vorhat, größere kriminelle Aktionen in den USA zu unternehmen, oder ob man an der Auslöschung der europäischen Juden 1933 bis 1945 beteiligt war. Wie böse und verurteilenswert diese Prozedur ist, muss letztlich jeder selbst für sich entscheiden.

Direkt auf der kanadischen Seite des 49. Breitengrades: 0 Avenue

Direkt auf der kanadischen Seite des 49. Breitengrades: 0 Avenue

Skeptisch war ich auf jeden Fall - bis zu dem Moment, wo man dann wirklich dem Beamten der Homeland Security gegenübersteht. Von da an wandelte sich das Bild. Die Beamten sind nämlich, und soweit ich von zwei Ein- und Ausreisen sagen kann, ausnahmslos, höflich, zuvorkommend, freundlich. Sind bereit zu Scherzen über die Unmengen an Stempeln, die sie auf die Formulare drücken. Klar, die Regelungen werden eingehalten, Fingerabdrücke, Formulare, Fotos. Aber die Höflichkeit der Beamten: Wieder ein Feindbild weniger…

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Same same but different (1000 Filme: 10)

7. März 2010 · Keine Kommentare bisher

26.02.2009, 21.00 Uhr, Studio Filmtheater Kiel (Saal 2), 5,50 €

26.02.2009, 21.00 Uhr, Studio Filmtheater Kiel (Saal 2), 5,50 €

Ein Elefant, der langsam, gemächlich, majestätisch und ohne Kenntnis der Gefahr durch ein kambodschanisches Minenfeld läuft: Dieses Bild am Anfang von Same same but different - am Ende wird es noch einmal wiederholt - ist die Quintessenz des Films.

Der Elefant ist zum einen der deutsche Tourist Benjamin, gerade erwachsen, der mit einem Kumpel nach Asien gefahren ist. In einem Club lernt Benjamin, der nicht so recht passt zu den anderen jungen europäischen Touristen, die Prostituierte Sreykeo kennen. Die beiden verbringen eine Nacht miteinander, verlieben sich, Benjamin muss am Ende des Urlaubs zurück, Sreykeo findet heraus, dass sie HIV-positiv ist. Benjamin hilft ihr, fliegt wieder nach Phnom Penh, organisiert Medikamente, gibt ihr (und ihrer Familie) Geld.

Diese Beziehung ist offensichtlich ein Minenfeld. Sie ist eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Benjamin umgeht die Minen allerdings mit der gleichen traumwandlerischen Sicherheit wie der Elefant, wobei beide wohl nicht wirklich wissen, in welcher Situation sie sich befinden. Am Ende steht ein Happy End; Benjamin und Sreykeo heiraten.

Der Elefant ist zum anderen der Regisseur Detlev Buck. Denn auch das Erzählen einer solchen Geschichte ist ein Gang durch ein Minenfeld; zuviel kann man eigentlich verkehrt machen bei einem so klischeehaften, unglaubwürdigen und potentiell kitschigen Plot. Es kommt Buck und dem Film zu Gute, dass die ganze Geschichte, bis in Details hinein, stimmt: Der Film beruht auf einem Buch von Benjamin Prüfer, der inzwischen mit der echten Sreykeo und zwei Kindern zusammenlebt. Buck bleibt sehr nah bei der Romanvorlage und schildert die Ereignisse, ohne sie bewerten zu wollen. Nur mit diesem Höchstmaß an Authentizität konnte Buck diesen Stoff glaubwürdig transportieren.

Zu dieser Authentizität gehört auch, dass der Film überwiegend an “Original”-Schauplätzen in Kambodscha gedreht wurde. Der Zuschauer erhält einen Einblick in das Leben der einfachen Menschen in Südostasien, das die meisten Urlauber nicht zu Gesicht bekommen (wollen).

→ Keine Kommentare bisherRubrik: 1000 Filme

Er hatte einen Kameraden

28. Februar 2010 · Keine Kommentare bisher

Im Prozess gegen John Demjanjuk sagt der ehemalige Wachmann Alex N. aus

25.02.2010, S. 5 (Politik)


→ Keine Kommentare bisherRubrik: FAZ-Überschriften

Stadt, Land, Stuss

26. Februar 2010 · Ein Kommentar

Kein NRW-Geld für Kölner Archiv?

[...] Dabei hat die Versicherung schon 61,5 Millionen Euro ausbezahlt. [...] Es macht uns skeptisch, sagt Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, „dass der Kämmerer dieses Geld für den Ausgleich des Defizits im Haushalt einsetzt“.

26.02.2010, S. 35 (Feuilleton)

→ 1 KommentarRubrik: FAZ-Überschriften

Niggemeier und das Gesetz

20. Februar 2010 · 4 Kommentare

Der bekannte Medien-Journalist und Berufsblogger Stefan Niggemeier, der ab und zu auch für die FAZ schreibt, hat bei Youtube Videos hochgeladen, über deren Urheberrechte er nicht verfügte. Youtube hat ihm nach einer Mahnung daraufhin das Benutzerkonto und alle Videos gelöscht.

Wenn mir so etwas passiert wäre, wäre ich wahrscheinlich froh, dass die Rechteinhaber mich nicht gleich abgemahnt haben. Stefan Niggemeier hingegen haut in die Tasten und schreibt einen Artikel in seinem Blog. Er gibt zwar zu, dass er die Videos nicht hätte hochladen dürfen, windet sich aber hin und her: Er will sich auf das Zitatrecht berufen - obwohl die Videoausschnitte unbearbeitet waren und eben nicht nur von den jeweiligen Blogartikeln, sondern auch direkt auf der Youtube-Seite abrufbar waren. Er meint, es sei nicht klug von den Rechteinhabern, die Löschung zu verlangen. Er regt sich über einen Rechtschreibfehler in einer automatisch generierten Antwort-Mail auf. Er wundert sich darüber, dass die gleichen Inhalte auf der Seite des Rechteinhabers öffentlich und kostenlos verfügbar sind.

Bei all dem ist der entscheidende Punkt: Die Rechtslage steht gegen  Niggemeier. Eine unkommentierte, unbearbeitete Verbreitung eines Videos ist nicht vom Zitatrecht gedeckt. Darüberhinaus besteht kein Rechtsanspruch auf einen Youtube-Account. Und Niggemeier könnte die Videos ohne Probleme selbst hosten und einen Rechtstreit riskieren.

Das alles wäre im Grunde nicht weiter erwähnenswert, weil es in der deutschen “Blogosphäre” ein ganz alltäglicher Vorgang ist. Auch ist es kein Wunder, dass gleich jemand “Zensur” schreit. Interessant sind aber die Kommentare. Dort hat sich offenbar ein Kommentator geweigert, eine korrekte E-Mail-Adresse einzugeben, woraufhin Niggemeier dessen Kommentare gelöscht hat. Niggemeiers Begründung:

Die Verpflichtung verstößt nicht gegen das Gesetz.

Richtig. Das Löschen von Youtube-Accounts mit urheberrechtlich bedenklichen Inhalten übrigens auch nicht.

→ 4 KommentareRubrik: In der Welt

Nicht der erste Begriff, der mir eingefallen wäre zur Beschreibung einer Diktatur

13. Februar 2010 · Keine Kommentare bisher

Wir wissen aus eigener Erfahrung, dass die DDR unter anderem an ihrem Demokratiedefizit zugrunde gegangen ist

Die designierte LINKE-Vorsitzende Gesine Lötzsch im FAZ-Interview (FAZ 09.02.2010, S. 4).

→ Keine Kommentare bisherRubrik: Merkenswert

Neuschnee und Sonne

11. Februar 2010 · Keine Kommentare bisher

11.02.2010, vormittags

11.02.2010, vormittags

Heute vor einem Jahr war eindeutig weniger Schnee.

→ Keine Kommentare bisherRubrik: Balkonbilder

American Places I: Sunshine Coast, BC

3. Februar 2010 · Ein Kommentar

Am nördlichen Stadtrand von Vancouver hört die Straße auf. Vom Flughafen Los Angeles, 2000 km weiter südlich und 20 Grad wärmer, bis hierhin hat es auf der Interstate 5 gut zwei Tage gedauert. Von hier nach Norden führt an der Küste keine Straße mehr, nur weit, weit im Inland der Alaska Highway. Wer weiter nach Norden reisen will, nimmt eines der Wasserflugzeuge, die im Hafen von Vancouver unaufhörlich landen und starten.
BC Ferries bei der Arbeit
Doch ein kleines Stück Zivilisation hinter dem Ende der Straße gibt es doch noch: Vom Fährhafen Horseshoe Bay fährt man eine knappe Stunde nach Gibsons. Tief hängen die grauen, regenreichen Wolken, die nach ihrer Reise über mehrere tausend Kilometer leeren Pazifik hinweg dankbar ihre Ladung an den Bergen British Columbias abladen: Die Landschaft ist voll von überbordendem Grün. Der Name dieser Küste - Sunshine Coast - will zunächst nicht so recht passen, um es vorsichtig auszudrücken.
Gibsons, British Columbia
Gibsons, zwar auf dem Festland gelegen, aber nur per Fähre zu erreichen, bildet das südliche Ende dieses Stückes Zivilisation hinter der Zivilisation: einige Dutzend Kilometer Straße an der Küste zur Strait of Georgia, die zwischen Festland und der langgezogenen, vorgelagerten Vancouver Island liegt. Ein kleiner Fischerort, der mich sofort an die Darstellung kleiner Fischerorte in Lustigen Taschenbüchern erinnert: Ein paar Fischkutter im grauen Wasser des Hafens, langsam-unaufgeregtes Leben auf zwei, drei Straßen. Hinter dem Ort an der Straße hie und da Villen reicher Vancouverianer, zwischendurch immer wieder Durchblicke zum Meer. Ab und zu Fährüberfahrten hindurch zwischen unbewohnten Inseln.
Strait of Georgia
Doch Sunshine Coast überrascht. Nach einigen Stunden Fahrt hört der Regen auf, die Sonne bricht durch, und beim Picknick wird es auf einmal sogar warm. Dann, auf der Überfahrt hinüber nach Vancouver Island: Strahlender Sonnenschein.
Überfahrt zu Vancouver Island
Sunshine Coast ist ein Stück Zivilisation vor der Wildnis. Links von der Straße der Ozean, rechts davon einige 100 km bis zur nächsten Straße - näher kann man der legendären amerikanischen frontier nicht mehr kommen im 21. Jahrhundert.

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Wanderfalke frisst Amsel

3. Februar 2010 · Ein Kommentar

Ob es am strengen Winter liegt? Auf dem Busch (im Bild links unten) vor dem Balkon sitzend, verspeiste gerade ein Wanderfalke eine soeben erlegte Amsel. (Dabei wird doch allenthalben vor dem Genuss nicht durcherhitzten Geflügels gewarnt.)

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